Unerschrockene Cineasten dürften sich noch an den französisch-italienischen Skandalfilm "Das große Fressen" von 1973 erinnern. Eine Gruppe von Freunden, verkörpert unter anderem von Michel Piccoli und Marcello Mastroianni, schaufeln in kurzer Zeit ganze Berge von Delikatessen in sich hinein. Schockierend waren für damalige Sehgewohnheiten nicht nur die Fress- und Sexszenen, sondern auch der Plot: Die Völlerei bezweckte den kollektiven Selbstmord der Freunde.

Ein großes Fressen gab es am Wochenende auch in Berlin. Mit einem Buffet am Hauptbahnhof trachteten die Initiatoren, darunter die Welthungerhilfe und der WWF, jedoch niemanden nach dem Leben, auch nicht sich selbst. Es wurde vielmehr gerettet - um ein Zeichen gegen "Das große Wegschmeißen" zu setzen: Fast 1000 Kilogramm hochwertiges Gemüse mit nur kleinen Macken, das sonst aus den Verkaufsregalen verschwunden und im Müll gelandet wäre, kam in den Topf. Dazu gab es 100 Kilogramm "Retour"-Backwaren. Und auch Marmelade wurde gekocht - aus 30 Kilogramm geretteten Kirschen.

Trotz Sommerhitze strömten laut Veranstalter immerhin rund 2500 hungrige Menschen zum "Essensretterbrunch" der Initiative "Genießt uns" und ließen sich Eintopf, Salate und CousCous schmecken. Das Rühren im Topf und das Schnippeln am Brett übernahm unter anderen Schauspieler Andreas Hoppe - besser bekannt als "Tatort"-Kommissar Kopper im Team Ludwigshafen. "Ich finde es absurd, dass eine zu krumme Gurke oder eine Möhre mit vielen Füßen unter Umständen einfach weggeworfen werden, weil sie nicht unseren optischen Erwartungen entsprechen", so Hoppe.

18 Millionen Tonnen Lebensmittel gehen nach Angaben der Initiatoren pro Jahr in Deutschland durch derlei Verschwendung verloren. 18 Millionen Mal könnte man damit ein "Essensretterbrunch" wie am Berliner Hauptbahnhof veranstalten. Wahrlich ein großes Fressen.