Soziales Das Elterngeld Plus ist gefragt

Michael Gabel 11.01.2018

Weniger arbeiten und dafür gemeinsam mehr Zeit mit dem Kleinkind verbringen – dieses Modell wird immer beliebter. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums nahmen zuletzt 28 Prozent der Anspruchsberechtigten das Elterngeld Plus in Anspruch. Bei dieser Variante des Elterngelds werden Väter und Mütter, die in Teilzeit arbeiten, besonders unterstützt. Sie erhalten die Zahlungen bis zu 24 Monate lang; bleibt ein Partner dagegen in Vollzeit, sind es nur 14 Monate. Die monatlichen Ansprüche, die beim Elterngeld bis zu 1800 Euro monatlich betragen können, halbieren sich bei der Variante für teilzeitarbeitende Väter und Mütter.

Dem Ziel, „Müttern und verstärkt auch Vätern Zeit für Familie und Beruf und eine partnerschaftliche Aufgabenteilung zu geben“, sei man mit dem 2015 eingeführten Elterngeld Plus ein bedeutendes Stück nähergekommen, betonte Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD). Vor zwei Jahren waren es ihr zufolge nur 13,8 Prozent der Elterngeldbezieher, die sich für diese Form der Unterstützung entschieden. Am beliebtesten ist das Elterngeld Plus in Thüringen, wo 38,5 Prozent der Anspruchsberechtigten das Angebot nutzen. In Baden-Württemberg sind es 26,4 Prozent.

Das Elterngeld war 2007 eingeführt worden und hatte damals das wesentlich geringere Erziehungsgeld abgelöst. Man wolle auch Akademiker dazu bewegen, sich für mehr Kinder zu entscheiden, hieß es. Denn die machten mit dem früheren Erziehungsgeld die größten Verluste. Das Elterngeld Plus wiederum ist als Anreiz für junge Eltern gedacht, im Job zu bleiben, aber vorübergehend ihre Arbeitszeit zu senken.

Die Union hatte das Modell von Beginn an als „wichtigen Baustein, um Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen“, mitgetragen. Am Mittwoch sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Nadine Schön, die Zahlen zeigten, dass „die neuen Familienleistungen wirken und wir den Eltern bei der Verwirklichung ihrer Lebensentwürfe entgegenkommen konnten“.

Beim Bundesforum Männer sieht man die Entwicklung kritischer. Teilzeit bedeute für viele immer noch einen Karriereknick. „Wir brauchen einen grundsätzlichen Mentalitätswandel in deutschen Unternehmen. Es muss ganz normal werden, dass Arbeitnehmer, also gerade auch Männer, eben für bestimmte Zeiten nicht oder nicht 100 Prozent zur Verfügung stehen – eben weil sie sich beispielsweise um ein Kind kümmern oder einen Angehörigen pflegen“, sagte Dag Schölper, Geschäftsführer des Dachverbandes zahlreicher Männerinitiativen, der SÜDWEST PRESSE. Er fordert eine Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt eines Kindes inklusive Lohnersatz, etwa in Form eines zweiwöchigen „Vaterschaftsurlaubs“.