Daheim Daheim im Hundertwasserhaus in Plochingen

Plochingen / LYDIA BENTSCHE 27.09.2014
Zum Start unser Serie "Im Süden daheim" stellen wir Ihnen Werner Hofbauer vor. Er wohnt in einem Haus, das wohl jeder schon mal gesehen hat, der die Zugstrecke Ulm - Stuttgart gefahren ist: das Hundertwasserhaus in Plochingen. Doch wie wohnt es sich dort?

Das ist sein Lieblingsplatz. Der Balkon. Werner Hofbauer steht dort und lässt den Blick schweifen. Hundertwasser, wo er auch hinsieht. Kräftige Farben, vielfältige Formen, Säulen, Pflanzen. Und der Regenturm mit den vier goldenen Kugeln, an dem Blau und Rot herunterzufließen scheinen. "Zu jeder Tages- und Jahreszeit sieht es anders aus", sagt der 64-Jährige. "Einen trüben Novembertag gibt's hier nicht. Im Innenhof ist es immer bunt." Auch nach 15 Jahren entdeckt Hofbauer noch neue Perspektiven und Details. Denn seitdem wohnt er "Unterm Regenturm" - so heißt seine Adresse. Im Hundertwasserhaus in Plochingen.

"Ich bin nicht als Hundertwasser-Fan hier eingezogen", erzählt er. Die Wohnung an sich, die Lage in der Innenstadt, die Nähe zum Bahnhof und dass es Ärzte, einen Supermarkt, ein Café und Parkplätze im Haus gibt, hatten ihn überzeugt. Dass Hofbauer ohnehin im Landkreis Esslingen bleiben würde, stand außer Frage. "Ich bin bodenständig", sagt der Vater zweier erwachsener Töchter und lacht. "Weit weggezogen hats mich nie." In Reichenbach an der Fils, Baltmannsweiler und Hochdorf hat er schon gewohnt. Drei Gemeinden, die direkt nebeneinander und direkt neben Plochingen liegen. In seinem Job im Außendienst einer Maschinenfabrik ist er für den Großraum Stuttgart zuständig. "Ich bin hier daheim. Die Region, die Gegend bedeutet Heimat. Ich kenne mich aus, fühle Geborgenheit und Sicherheit." Und der Mittelpunkt dieses Heimatgefühls ist seine etwa 80 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung, in der er mit seiner Frau und einem Kaninchen lebt.

Von dort aus kann Hofbauer nicht nur durch die unterschiedlich großen und verschiedenfarbigen Fenster auf die intensiven Farben und typischen Formen blicken, die Friedensreich Hundertwasser bekannt gemacht haben. Auch in den Räumen hat Hofbauer sich von dem österreichischen Künstler und Architekten inspirieren lassen. Je eine gelbe, blaue und rote Tür mit schwarzem Rahmen gibt es, die Wände schmücken geschwungene rote und blaue Mosaik-Elemente. Zwischen Eingangs- und Wohnbereich steht eine Säule in leuchtenden Farben auf grauen Mosaik-Fliesen.

"Das größte Projekt war das Bad", sagt Hofbauer. "Als ich einen Fliesenleger überzeugen konnte mitzumachen, habe ich mit bunter Kreide an die Wand gemalt, wie ich mir das vorstelle, und der Fliesenleger hat es umgesetzt." Nun leuchtet eine gelbe Sonne über dem Klo. An einigen Stellen schimmert es golden. Viele rechteckige, zum Teil zerschlagene Fliesen, doch dazu auch fließende Formen: Das Bad ist abwechslungsreich gemustert. "Jetzt gibt es nicht mehr viel, was ich in der Wohnung verändern möchte. Meine wesentlichen Ideen habe ich umgesetzt."

Freunde besuchen Hofbauer gern. Einen Kunden und dessen Frau, die von Hundertwassers Kunst begeistert ist, hat er einmal zu sich eingeladen. Auch Führungen für Bekannte und deren Bekannte durch Wohnung, Haus und Innenhof dürfen es ab und an sein. "Ich zeig das gern", gibt er zu und lächelt. "Denn ich bin auch ein bisschen stolz darauf, in so einem Haus zu wohnen."