Kurz vor der mit Spannung erwarteten erneuten Schalte von Bund und Ländern am Mittwoch, 6. Mai, zu Lockerungen in der Corona-Krise bringt auch das bayerische Kabinett seine Strategien gegen die Verbreitung des Coronavirus und für eine gleichzeitige Lockerung der Maßnahmen voran. Bayern ist von allen Bundesländern am schwersten von der Pandemie betroffen, zuletzt war die Zahl der Erkrankten aber stark zurückgegangen.
Nach wochenlangen, coronabedingten Schließungen, Einschränkungen und Beschränkungen hat das bayerische Kabinett heute einen umfassenden Fahrplan für Lockerungen in der Corona-Krise verkündet.

Biergärten in Bayern öffnen wieder

Für manche ist freilich eine der erfreulichsten Nachrichten die Aussicht auf die Öffnung der Biergärten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, da es draußen weniger Ansteckungen gebe, habe die Landesregierung entschieden, die Außengastronomie als Erstes zu öffnen. Dies werde unter strengen Auflagen erfolgen, Kellner müssten etwa Masken tragen.

Söder verkündet Fahrplan für Öffnungen und Lockerungen

Der Ministerpräsident hatte bereits auf der letzten Pressekonferenz betont, dass die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus und die gefährliche Lungenkrankheit Covid-19 in Bayern erfolgreich seien. Am Dienstag sagte er, dass in Bayern aktuell nur noch rund 6400 Menschen am Coronavirus erkrankt seien.
„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für ein vorsichtiges Öffnen. Die Erfolge sind eindeutig“, sagte Söder, und: „Jetzt ist Corona unter Kontrolle.“ Die harten Einschnitte der vergangenen Wochen seien verhältnismäßig und richtig gewesen – nun müsse man aber einen vorsichtigen Weg der Öffnung gehen. Markus Söder betonte: „Wir machen es nicht überstürzt, in Stufen, mit hohen Sicherheitsauflagen, und später als andere.“ Man wolle aber nun Freiheiten und ein Stück Lebensfreude zurückgeben.
Er kündigte einen umfangreichen Fahrplan für Öffnungen an. Allerdings stehen alle Maßnahmen unter Hygiene- und Abstandsbedingungen. Es handelt sich um sehr weitreichende Lockerung der harten Anti-Corona-Maßnahmen in vielen Bereichen.

Das sind die Lockerungen der Corona-Regeln in Bayern

  • Bayern hebt die wochenlangen coronabedingten Ausgangsbeschränkungen auf - gewisse Kontaktbeschränkungen und ein Verbot von Menschenansammlungen im öffentlichen Raum bleiben aber bestehen. Ab diesen Mittwoch, 6. Mai, ist es erlaubt, eine Person außerhalb des eigenen Hausstands und auch enge Familienangehörige zu treffen oder auch zu besuchen.
  • Kitas: Bayern will die Hälfte aller Krippen- und Kindergartenkinder bis Pfingsten wieder in die Kitas bringen. Ab kommenden Montag dürfen aber bestimmte Kinderbetreuungseinrichtungen wieder öffnen, unter anderem Waldkindergärten und Tagespflegeeinrichtungen mit bis zu fünf Kindern.
  • Bayern lockert das strikte coronabedingte Besuchsverbot in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Ab dem Wochenende sind wieder Besuche von einer festen Kontaktperson erlaubt - unter strikten Hygiene- und Schutzmaßnahmen.
  • Schüler müssen an Bayerns Schulen künftig Masken tragen - allerdings nicht im Unterricht. Es solle „keine Maskenpflicht im Unterricht“ geben, die Schüler sollten aber „an der Schule“ - also beispielsweise auf dem Schulhof - Masken tragen
  • Ab diesem Mittwoch werden Spielplätze in Bayern wieder freigegeben. Ab kommenden Montag folgen dann Zoos, botanische Gärten, Museen, Bibliotheken, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten. Damit setzt der Freistaat eine Bund-Länder-Vereinbarung aus der vergangenen Woche um.
  • Ab 11. Mai dürfen alle Geschäfte wieder öffnen, die 800-Quadratmeter-Regel zur Verkaufsfläche wird aufgehoben. Das gilt auch für Kaufhäuser und Malls.
  • In Bayern dürfen auch Gaststätten und Hotels schrittweise wieder öffnen: Außenbereiche von Gaststätten – und damit auch Biergärten – am 18. Mai, Speiselokale und Restaurants im Innenbereich am 25. Mai, Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen am 30. Mai. Die Wellnesbereiche oder Schwimmbäder der Unterkünfte dürfen nicht öffnen. Bei Restaurants muss die Gästezahl begrenzt bleiben, es gibt Vorgaben für die Desinfektion und gesonderte Tische etwa für Familien.
  • Ab Montag, 11. Mai, dürfen Einzelsportarten wie Tennis, Golf und Reiten oder Segeln ausgeübt werden. Ebenfalls unter Auflagen.
  • Über das Theater wurde noch keine Entscheidungen getroffen, hier gebe es noch Klärungsbedarf, sagte der CSU-Politiker.
Söder hat aber auch strenge Kontrollen nach der Öffnung der Gastronomie angekündigt. „Das ist alles kein Kavaliersdelikt“, sagte er am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München. Es werde bei Verstößen beispielsweise gegen Abstandsregeln „hohe Ordnungswidrigkeitsstrafen“ geben.

Lockerungen in Bayern Vorbild für Baden-Württemberg?

Das bayerische Konzept sei mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) abgestimmt. Söder betonte mit Blick auf die Konferenz von Bund und Ländern am Mittwoch, dass der bayerische „Pfad der Vernunft“ auch für andere Länder eine Blaupause sein könne, die wie Bayern nicht überstürzt handeln wollten.

Kretschmann: Einzelsportarten werden erlaubt

Tatsächlich stellte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zur selben Stunde am Dienstagmittag weitere Lockerungen der Corona-Regeln, unter anderem beim Sport, in Aussicht. Man habe den Lenkungskreis der Landesregierung beauftragt, ab kommender Woche wieder „kontaktlosen Outdoorsport“ zu erlauben, kündigte der Grünen-Politiker in Stuttgart an. Auch in der Gastronomie kann man im Land auf eine baldige Wiedereröffnung hoffen. Allerdings sieht Kretschmann, der von kommender Woche an ein Ampelsystem zur Orientierung bei Lockerungen der Corona-Regeln einführt – das Vorpreschen einiger Bundesländer bei der Lockerung von Corona-Auflagen kritisch.

Mehrere Bundesländer haben bereits Öffnungen beschlossen

Schon vor der großen, mit Spannung erwarteten Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel und den Ministern der Länder sind mehrere Bundesländer bei den Lockerungen vorangeprescht. Einige Beispiele:
  • Niedersachsen legte am Montag einen Fünf-Stufenplan zur schrittweisen Öffnung zum Beispiel der Gastronomie und der Hotels vor.
  • In Mecklenburg-Vorpommern sind ebenfalls Lockerungen geplant, dort soll ab ende Mai schon ein Ostsee-Urlaub für alle Touristen aus Deutschland möglich sein.
  • Sachsen-Anhalt erwägt eine Öffnung von Restaurants, Bars und Cafés noch im Mai. In Aussicht steht der 22. Mai.