Kelkheim Christen häufiger Opfer von Gewalt

KNA 14.01.2016
Weltweit hat die Verfolgung der Christen dramatisch zugenommen, sagt das Hilfswerk "Open Doors". Schuld sei vor allem radikaler Islamismus.

"Open Doors" ist eine christliche Organisation, arbeitet aber überkonfessionell. Im neuen "Weltverfolgungsindex" stellt das Hilfswerk eine massive Zunahme der Verfolgung von Christen fest. "Die Anzahl der wegen ihres Glaubens ermordeten Christen und der attackierten beziehungsweise zerstörten Kirchen hat sich seit dem Vorjahr etwa verdoppelt", heißt es in dem gestern in Kelkheim veröffentlichten Bericht. Hauptverfolgerstaat war demnach auch 2015 Nordkorea, im 14. Jahr in Folge.

7100 Christen wurden laut Bericht wegen ihres Glaubens ermordet und 2406 Kirchen attackiert. Im Jahr zuvor waren es 4344 ermordete Christen und 1062 angegriffene Kirchen. Weit mehr als 100 Millionen Christen würden weltweit aufgrund ihres Glaubens verfolgt.

Der Index präsentiert eine Rangfolge von 50 Ländern, in denen Christen nach Darstellung von "Open Doors" am stärksten verfolgt und benachteiligt werden. Auf Nordkorea folgen der Irak, Eritrea, Afghanistan, Syrien, Pakistan, Somalia, Sudan, der Iran und Libyen.

Libyen gehört erstmals zu den ersten zehn Ländern. "In 35 der 50 genannten Länder ist der islamische Extremismus die Haupttriebkraft der Verfolgung von Christen", unterstreicht "Open Doors". Großen Anteil daran hätten islamistische Gruppen wie Boko Haram, Al-Shabaab und der "Islamische Staat" (IS). Sie und Teile der Bevölkerung gingen mit extremer Gewalt gegen Christen und andere Minderheiten vor, die ihr Verständnis vom Islam nicht teilen.

In hinduistisch und buddhistisch geprägten Ländern wie Indien und Myanmar führe ein zunehmender religiös motivierter Nationalismus zu Radikalisierung und einer deutlichen Intensivierung von Christenverfolgung. Pakistan weist nach der Open-Doors-Statistik zusammen mit Nigeria die höchste Punktezahl im Bereich "Gewalt gegen Christen" auf. Der extreme Druck auf die rund 3,8 Millionen Christen gehe vor allem von islamistischen Gruppen und Imamen aus, die Mobs gegen Christen aufhetzten.

"Christen sind die größte verfolgte Glaubensgemeinschaft weltweit", sagte Markus Rode, Leiter von "Open Doors" in Deutschland. Rode kündigte an, die Organisation wolle kaum thematisierte Vorfälle von Christenverfolgung in Flüchtlingsunterkünften stärker in den Blick nehmen.