Strafzölle China geht selbstbewusst in Handelskrieg mit den USA

Peking / Felix Lee 09.08.2018

Bislang konnten Donald Trumps Strafzölle der chinesischen Exportwirtschaft offenbar nicht viel anhaben. Im Gegenteil: Der chinesische Überschuss im Handel mit den USA hielt sich im Juli mit über 28 Milliarden Dollar nahe seinem Rekordhoch vom Juni mit nahezu 29 Milliarden. So hoch war das Handelsbilanzdefizit zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt noch nie.

Wie das chinesische Zollamt jetzt mitteilte, legten Chinas Ausfuhren in die Vereinigten Staaten um 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Die gesamten chinesischen Exporte wuchsen im Juli gar um 12,2 Prozent. Ökonomen führen den Boom vor dem Sturm darauf zurück, dass Unternehmen noch möglichst viele Geschäfte abwickeln wollen, bevor weitere Zölle erhoben werden.

Die hat der US-Präsident auch schon konkretisiert. Wie das Weiße Haus in der Nacht zu Mittwoch mitteilte, sollen bereits am 23. August weitere Strafzölle gegen China in Kraft treten. Sie würden 279 Waren im Wert von rund 16 Milliarden Dollar treffen. Betroffen sind Metalle, Chemikalien und Elektronik, die chinesische Unternehmen dann nur noch mit einem Aufschlag von 25 Prozent in den Vereinigten Staaten verkaufen dürfen. Nur kurze Zeit später kündigte das Handelsministerium in Peking Abgaben in gleicher Höhe auf US-Einfuhren an, darunter auf Öl, Kohle, Stahl und Medizintechnik. Die Abgaben sollen zeitgleich zu den US-Zöllen in Kraft treten.

Beide Seiten rüsten auf

Bereits am 6. Juli hatten beide Länder gegenseitige Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe im Wert von jeweils rund 34 Milliarden US-Dollar erhoben. Und beide Seiten bereiten weitere Strafpakete vor. Trump hat in Erwägung gezogen, auf sämtliche Waren aus China Strafzölle zu erheben. Da China nicht so viel aus den USA einführt wie umgekehrt, erwägt die Führung in Peking wiederum Strafmaßnahmen gegen US-Unternehmen, die in der Volksrepublik tätig sind. Einzelne Branchen wie etwa Maschinenbauer oder die Automobilindustrie in China bekommen die Folgen der Strafzölle auf beiden Seiten zu spüren.

Chinas Führung gibt sich selbstbewusst und beteuert, China sei auf einen Handelskrieg bestens gewappnet. Doch selbst chinesische Ökonomen bezweifeln das. China exportiere Waren im Wert von über 500 Milliarden Dollar im Jahr, sagt Zhang Jun von der Fudan Universtät Shanghai. Das sei „sehr viel“. Strafzölle auf einen so hohen Warenwert würden „erheblichen Schaden mit sich bringen: für China, für die USA, für die Welt“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel