Peter Altmaier (57) ist ein jovialer und geselliger Typ. Dass der Saarländer gern isst, sieht jeder dem Kanzleramtschef auf Anhieb an – leugnen wäre zwecklos. Und wenn der CDU-Mann ein Buch mit dem Titel „Fleischfabrik Deutschland“ aus der Taufe heben hilft, liegen Anspielungen auf das stattliche Äußere des Bonvivants eigentlich nahe, verbieten sich aber anstandshalber.

Doch Altmaier ist so nett, diesen Part selbst zu übernehmen. Also rückt der Intimus der Kanzlerin mit sachdienlichen Hinweisen auf seine Expertise zum Thema Nahrungsproduktion und Fleischkonsum bei der Buchpräsentation in Berlin ungefragt heraus. Ja, Peter Altmaier hat soeben einen Hamburger aus 100 Prozent Rindergehacktem verzehrt, wie er überhaupt Fleisch mag – neben Pasta, Kartoffeln und Süßigkeiten. Schon als kleiner Junge wusste er zu genießen, wenn er beim Einkaufen beim Metzger ein Stück Lyoner bekam – „fingerdick“.

Kein Zufall ist, dass der Autor der durchaus kritischen Neuerscheinung über Massentierhaltung und Billigfleisch in Deutschland Toni Hofreiter heißt, Fraktionschef der Grünen im Bundestag ist, mit Altmaier politisch wie privat verbunden. Die beiden Herren plaudern und speisen regelmäßig zusammen, oft ein gutes Steak, und Altmaier muss warnen: „Unser gemeinsamer Auftritt ist keine Koalitionsaussage.“ Freilich könnte sich der Eindruck einstellen, hier bereiteten zwei Brüder im kulinarischen Geiste die nächste Wende vor. Warum sollte Ex-Umweltminister Altmaier nach der Energiewende, die er gerade mit der SPD umsetzt, nach der Wahl nicht die ökologische Agrarwende ansteuern – mit Hofreiters Grünen als Juniorpartner? Bei seinem Spezi Toni kann er sich wenigstens darauf verlassen, dass die Woche eines Kanzleramtschefs auch künftig nicht aus sieben fleischlosen Veggi Days besteht.