Interview CDU-Landeschef Strobl hofft auf Einigkeit

CDU-Landeschef Thomas Strobl (CDU) sieht die Meinungsbildung in Sachen Vorstandswahl als noch nicht abgeschlossen an. 
CDU-Landeschef Thomas Strobl (CDU) sieht die Meinungsbildung in Sachen Vorstandswahl als noch nicht abgeschlossen an.  © Foto: Michael Kappeler/dpa
Berlin/Stuttgart / Ellen Hasenkamp 05.12.2018
CDU-Landeschef Strobl sieht das Rennen um Merkels-Erbe positiv. Aber er mahnt auch die Rückkehr zur Sacharbeit an.

Seine Stimme hat nicht nur in Baden-Württemberg Gewicht, wo er seit 2011 Landesvorsitzender der CDU ist. Auch auf Bundesebene zählt er zu den Stimmungsmachern: Thomas Strobl, der baden-württembergische Innenminister, ist seit Dezember 2012 auch einer von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der CDU. Aktuell beschäftigt sich die Partei vor allem mit der Frage, wem sie den Vorsitz übertragen will.

Wie ist die Stimmung in der CDU?

Thomas Strobl: So gut wie lange nicht. Der Wettbewerb, den wir zurzeit in der Partei haben, tut uns gut. Auch viele Bürgerinnen und Bürger interessieren sich für diesen lebendigen Prozess. Insgesamt ist das eine große Chance für die CDU und ein guter Beitrag für gelebte Demokratie in Deutschland.

Und nach dem Parteitag ist es dann vorbei mit der guten Laune?

Wo große Chancen sind, gibt es immer auch Risiken. Deswegen sage ich immer: Denkt daran, nach dem siebten kommt der achte Dezember. Am Tag nach der Neuwahl des Bundesvorstands müssen wir uns alle unterhaken, nach vorne blicken und uns gemeinsam in den Dienst Deutschlands stellen.

Geht es beim Wettkampf um den Parteivorsitz auch um einen Richtungsentscheid für die CDU?

Alle drei Bewerber spielen in der ersten Liga; sie repräsentieren eine große Bandbreite, die die Bandbreite der CDU insgesamt aufzeigt. Es sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichem politischen Profil. Mit einem Richtungsstreit hat das freilich gar nichts zu tun.

Die Regionalkonferenzen sind vorbei. Ist die Meinungsbildung abgeschlossen?

Nein, es gibt noch sehr intensive Diskussionen in der Partei. Es wird leidenschaftlich gerungen, und es bleibt spannend bis zum letzten Moment.

Aber Baden-Württemberg ist eindeutig Merz-Land, oder?

Das kann ich so eindeutig jedenfalls nicht beantworten. Aus dem Stimmungsbild bei der Regionalversammlung in Böblingen mit 2000 Menschen kann man freilich durchaus bestimmte Schlüsse ziehen. Aber klar ist, es gibt auch bei uns kein homogenes Stimmungsbild, sondern unterschiedliche Sympathien sowohl bei den Mitgliedern als auch bei den Delegierten, die zum Parteitag fahren. Und das ist auch gut so.

Werden Sie am Vorabend der Wahl in Hamburg den Landes-Delegierten eine Empfehlung geben?

Es würde nichts und niemandem nützen, wenn ich heute eine solche Empfehlung aussprechen würde. Wir arbeiten in der CDU Baden-Württemberg schon seit einigen Jahren von unten nach oben, ohne dass etwas zwangsverordnet wird. Wichtig ist, dass die 154 Delegierten aus unserem Land ihre Ohren aufsperren und zuhören, was die CDU-Mitglieder und Anhänger vor Ort sagen. Darüber sprechen wir schließlich übermorgen am Nikolaustag auf unserem Baden-Württemberg-Treffen am Vorabend des Bundesparteitages.

Die Erfahrung der CDU in Baden-Württemberg mit einem Basisentscheid über die Parteiführung war ja nicht besonders gut. Was läuft denn jetzt auf Bundesebene besser?

Gerade vor kurzem hat ja vor allem die SPD bei uns eine kuriose Erfahrung mit einem Mitgliedervotum gemacht. In der CDU Deutschlands machen wir – klugerweise – keinen Mitgliederentscheid. Abstimmen werden vielmehr die Delegierten.

Also keine Spaltungsgefahr in der Bundes-CDU?

Es sind spannende Tage, aber das lässt sich nicht ewig fortsetzen. Es ist gut, wenn das Rennen noch diese Woche beendet wird. Dann müssen wir wieder gemeinsam voran gehen.

Und Angela Merkel bleibt Kanzlerin?

Sie ist für die gesamte Legislaturperiode gewählt, also bis 2021. Unsere Verfassung gibt dem Amt des Bundeskanzlers eine starke Stellung.

Gilt das in jedem Fall, egal, wer in Hamburg Parteichef oder -chefin wird?

Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn haben jeweils wiederholt erklärt, dass sie sehr gut mit der Kanzlerin zusammenarbeiten werden. Insofern liegt es zunächst an Angela Merkel, wie lange sie ihr Amt ausüben kann und will. Das ist auch eine höchst persönliche Frage. Sie selbst hat es übrigens als eine ihrer Stärken genannt, mit jedermann und jeder Frau gut kooperieren zu können.

Auch Sie stehen in Hamburg als Parteivize zur Wiederwahl. Mit welchem Ergebnis rechnen Sie?

Ganz ehrlich, das raubt mir nicht den Schlaf. Ich kann Ihnen nicht mal sagen, wie mein Ergebnis vor zwei Jahren war.

Es waren knapp 74 Prozent. Die Sorge, dass beispielsweise Jens Spahn Ihnen den Posten streitig macht, wenn er nicht Parteichef wird, haben Sie also nicht?

Ganz bestimmt nicht. Das haben Parteitage außerdem so an sich, dass dort am Tag der Wahl noch neue Kandidaten auftauchen können. Das gilt ja auch für den Parteivorsitz. Schauen wir mal...

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