Wahl CDU-Fraktionsvize: Jung gewinnt Kampfkandidatur

Konkurrenten um den Vizeposten in der Fraktion: Andreas Jung (l) und Olav Gutting.
Konkurrenten um den Vizeposten in der Fraktion: Andreas Jung (l) und Olav Gutting. © Foto: Stella von Saldern/Bundestag/dpa
Berlin / Sabine Lennartz 09.10.2018
Andreas Jung ist neuer Vize der CDU-Bundestagsfraktion – er gewann gegen Olav Gutting. Der Vorgang ist ungewöhnlich.

Schon wieder eine Kampfabstimmung in der Union: Um die Nachfolge von Ralph Brinkhaus als Fraktionsvize für Finanzen und Haushalt kandierten gleich zwei Baden-Württemberger. Sie wollten das Gewicht der Landesgruppe in der Fraktionsspitze auch nach der Abwahl von Volker Kauder sichern. Schließlich gehört die Landesgruppe – neben Bayern und Nordrhein-Westfalen – zu den großen Drei in der Union. Landesgruppenchef Andreas Jung konnte sich mit 76,7 Prozent klar gegen den Abgeordneten Olav Gutting durchsetzen.

„Die Fraktion lebt“ hatte ein  Abgeordneter vor zwei Wochen nach der Abwahl Kauders gesagt. Tatsächlich geht es in den letzten Wochen in der Unionsfraktion ungewohnt munter zu. Das jahrelang bewährte Prinzip, dass die Landesgruppen an der Fraktionsspitze  ihrer Größe entsprechend  vertreten sind und sich im Vorfeld intern auf einen Kandidaten einigen, stellte zumindest einer zur Disposition: Olav Gutting, der sich gegen Landesgruppenchef Andreas Jung bewarb.

Knackpunkt Finanzpolitik

„Bei uns in der Fraktion kann für jeden Posten jeder kandidieren“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Michael Grosse-Brömer. Gutting,  Abgeordneter aus dem Wahlkreis Bruchsal/Schwetzingen wurde bekannt, als er nach der Einigung der Groko-Verhandler im Februar twitterte: „Puuuh! Wir haben wenigstens noch das Kanzleramt.“ Damit machte er seinem Unmut Luft, dass wichtige Ministerien wie Finanzen, Arbeit und Außen an die SPD gingen. In der Finanzkrise stand Gutting vor weiteren Hilfsprogrammen für Griechenland erst einmal auf der Bremse. Er war vom Mittelstandspolitiker Christian von Stetten (Schwäbisch Hall) ins Gespräch gebracht worden, der sich seit langem für ein konservativeres Profil der Union einsetzt. 

Jung wird dagegen politisch in Merkels Nähe angesiedelt. Er hatte sich bei der Wahl des Fraktionschefs für Kauder stark gemacht, während Olav Gutting Herausforderer Ralph Brinkhaus unterstützte. Jung steht für eine starke Europapolitik, tritt aber Befürchtungen, er könne zu großzügig sein, entgegen:  „Ich bin ein Anhänger von Wolfgang Schäuble und seiner Politik, natürlich müssen unsere Grundsätze in der Finanzpolitik gelten.“ Er ist im Haushaltsausschuss und bringt Erfahrungen als Anwalt einer großen Mannheimer Wirtschaftskanzlei mit. Seit 2016 ist er Vorsitzender der Landesgruppe.

Jung gilt als gemäßigter und ausgleichender Politiker, der  sachorientiert arbeitet – und weitsichtig: Er hielt die Laufzeitverlängerung für Kernkraft schon vor der Fukushima-Katastrophe für einen Fehler und setzte sich auch gegen „Fracking“ ein.

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