Berlin / PETER GÄRTNER KARSTEN DYBA  Uhr
Gerüchte gab es schon lange, nun wird es konkreter: Rapper Bushido soll eng mit Kriminellen verbunden sein. Christian von Stetten, der ihn einst als Praktikant in den Bundestag holte, distanziert sich.

Bei der musikalischen Zusammenarbeit ist Anis Mohamed Ferchichi nicht sonderlich wählerisch. Der Berliner Rapper (34), der unter dem Namen Bushido seit bald zehn Jahren in der deutschen Musikszene mitmischt, hat schon Lieder aufgenommen mit Rappern wie "King Orgasmus One", aber auch mit Schlagersänger Karel Gott.

Nun sind andere Kooperationen öffentlich geworden, auch hier scheint Bushido nicht sehr wählerisch zu sein: Der "Stern" titelte gestern "Bushido und die Mafia" und berichtete, der Rapper sei eng mit Kriminellen verbunden. Unter anderem habe er dem 36-jährigen Arafat A., den er "Bruder seines Herzens" nennt, 2010 eine Generalvollmacht über sein gesamtes Vermögen erteilt. A. ist Mitglied einer libanesisch-palästinensischen Großfamilie und gilt seit Jahren als Bushidos engster Vertrauter. Gern zeigt der Rapper sich mit ihm, nennt die Familie seine "Wahl-Familie".

Mehrere männliche Angehörige der Großfamilie wurden laut Hamburger Magazin bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, Zuhälterei, Raub und Diebstahl verurteilt. "Mafiöse Strukturen sind hier eindeutig vorhanden", zitiert der "Stern" den Berliner Oberstaatsanwalt Jörg Raupach.

Bushido, der mit gewaltverherrlichenden, sexistischen und schwulenfeindlichen Texten berühmt wurde, hat aus seiner innigen Beziehung zu der Großfamilie nie einen Hehl gemacht. Dass sie aber so eng ist, war nicht bekannt: Laut "Stern" soll Arafat A. dafür gesorgt haben, dass Bushido in jungen Jahren aus einem für ihn nachteiligen Plattendeal herauskam - angeblich mit Drohungen.

Solche finanziellen Probleme kennt Bushido schon lange nicht mehr. Gerne brüstet er sich mit seinen Millionen, prahlte schon früher, dass er manchmal so viel Geld in der Tasche habe wie Polizisten im halben Jahr verdienen. Die Pose des Gossengangsters nimmt er immer noch gern ein, doch mit der Realität der Jugendlichen in Kreuzberg, Wedding und Neukölln hat er kaum noch etwas gemein. Geboren in Bonn-Bad Godesberg, aufgewachsen in Kreuzberg, lebt er schon länger in einem Haus im gutbürgerlichen Lichterfelde - für Berliner Verhältnisse weit weg von den Problemen der Einwandererviertel.

Das Haus war ohnehin nur als Zwischendomizil gedacht. Denn Bushido hat vor knapp zwei Jahren in dem brandenburgischen Nobel-Vorort Kleinmachnow ein ehemaliges Seemannserholungsheim mit zwei alten Villen erworben und baut dort. Die Nachbarn beklagen sich seitdem über laute Freunde auf dem Grundstück.

Doch Bushido versuchte sich auch in seriösen Rollen. Vergangenes Jahr absolvierte er ein Praktikum im Bundestag - beim konservativen Freiherrn Christian von Stetten (CDU) aus Künzelsau, Spross eines Hohenloher Adelsgeschlechts. Ein Geschäftspartner hatte den Kontakt vermittelt. "Ich habe Bushido als sehr intelligent wahrgenommen", hatte von Stetten die Beziehung verteidigt. Den Vermittler kennt von Stetten schon lange - der Bundestagsabgeordnete betreibt nebenher eine Event-Agentur.

Einen Beigeschmack bekam das Praktikum wenige Monate später: Spiegel-TV rückte den Abgeordneten in die Nähe des Berliner Clans. Die Staatsanwaltschaft der Bundeshauptstadt ermittelte wegen des Verdachts der Geldwäsche. Von Stetten hatte seinem Geschäftspartner einen Scheck über 30000 Euro ausgestellt - zur Rückabwicklung der geplatzten Markteinführung eines Energydrinks, wie von Stetten betont.

Der Geschäftspartner legte damals saubere polizeiliche Führungszeugnisse vor und zog gegen die Medien mit Unterlassungserklärungen zu Felde. Er versicherte, "keinerlei geschäftliche Beziehungen" zu Bushido und dem Clan zu unterhalten. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Gestern auf den Bericht angesprochen erklärte von Stetten: "Vor und nach dem viertägigen Praktikum habe ich keinerlei Kontakt zu Bushido gehabt. Ich pflege auch keine Kontakte zu der Familie, mit der Bushido in Zusammenhang gebracht wird."