Stuttgart Bundeswehrrefom: Innovative Pläne für Kasernengelände

Stuttgart / RAIMUND WEIBLE 05.08.2014
Ende 2011 verkündete der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière, welche Veränderungen die Neuausrichtung zur Freiwilligenarmee für Standorte von Kasernen und Dienststellen bringt. Eine Zwischenbilanz für Baden-Württemberg.

Noch ist die Wache an der Graf-Stauffenberg-Kaserne auf der Höhe über Sigmaringen besetzt. Zwischen 200 und 300 Soldaten tun weiter ihrem Dienst - Feldjäger, Angehörige des Eurocorps und des Führungsunterstützungsbataillons 129. Doch der letzte Zapfenstreich ist geblasen, schon Anfang Juni. Bis Ende 2015 will die Bundeswehr das 200-Hektar-Gelände räumen.

Und das zivile Sigmaringen steckt voll in den Planungen für die künftige Nutzung des Areals. Zusammen mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen strickt die Stadt an einem Projekt mit dem Namen "Innovationscampus Sigmaringen" - kurz "Inno-Campus".

Die Hochschule grenzt an das Militärareal an - es liegt auf der Hand, das wissenschaftliche Potenzial in das Projekt einzubinden. Entstehen soll eine Modellfabrik zur Stärkung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Im daneben geplanten Technologiezentrum bekommen junge Gründer die Möglichkeit, innovative Produkt- und Geschäftsideen zur Marktreife zu entwickeln.

Finanzielle Förderung erhofft sich die Stadt über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre). Erkennt das Land Baden-Württemberg das Projekt "Inno-Campus" als Leuchtturm-Projekt an, könnten sieben Millionen Euro aus dem Efre-Topf fließen. Zwei Millionen Euro erwartet die Stadt vom Land, maximal fünf Millionen Euro gedenkt sie selbst zur Finanzierung beizutragen. Bürgermeister Thomas Schärer zeigt sich optimistisch. "Wir gehen guten Zeiten entgegen, wir haben eine richtig gute Chance", sagt er. 2016 soll es losgehen.

Kaum zehn Kilometer donauabwärts herrscht ebenfalls Aufbruchstimmung. In Hohentengen hat das Luftwaffen-Ausbildungsregiment die Oberschwabenkaserne mit seinen zuletzt 850 Soldaten bereits 2012 geräumt, 77 Hektar sind zu bespielen. Und der Startschuss für "Ehoch4" ist gefallen. "Ehoch4" - so lautet die Formel für ein Projekt auf vier Säulen: Konzipiert sind eine Akademie für Nachhaltigkeit, ein grünes Gewerbegebiet, eine Fläche, auf der Energie produziert wird mit Solar-, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse. Und als Clou ein Lern- und Energiepark, hinter dem das Ravensburger Spieleland steht.

8,2 Millionen Euro wollen die Ravensburger investieren. Die Planungen sind weit gediehen. Etwa für ein "Solar-Highway" für Elektromobile und ein Aerodrom, in dem die Besucher auf einem Luftstrom ganz real in den Schwebezustand geraten. 2015 soll der Park öffnen. Der Geschäftsführer der Ravensburger Freizeit und Promotions GmbH, Karl-Heinz Horn, rechnet mit 75.000 bis zu 100.000 Besuchern im Jahr.

Gestärkt wird der Standort Stetten am kalten Markt. Aus Immendingen werden deutsche Soldaten der deutsch-französischen Brigade, aus Sigmaringen Panzerpioniere und Feldjäger dorthin verlegt.

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