Bundeswehr Kommentar zur Bundeswehr: Massiv verunsichert

Politikredakteur Martin Hofmann
Politikredakteur Martin Hofmann © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Martin Hofmann 13.05.2017

Auf die Idee wären selbst völlig verblendete Neonazis nicht gekommen. Denn der 2015 verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt lässt sich für ihre Ideologie in keiner Weise vereinnahmen, auch nicht in Wehrmachtsuniform. Schmidt war als junger Mann kein erklärter Gegner des Nazi-Regimes, aber gewiss auch kein Gefolgsmann. Das ging vielen seiner Generation so. Aber: Er hat aus dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte eindeutige, unmissverständliche Lehren gezogen. Er hat dem demokratischen Deutschland sein Leben gewidmet: als Hamburger Senator, streitbarer Abgeordneter, Minister, Bundeskanzler und gefragter Ratgeber.

Die Bundeswehr-Universität hätte sich die Peinlichkeit daher sparen können, das Foto aus dem Studentenwohnheim zu entfernen. Schließlich hat der SPD-Politiker die Hochschule als Verteidigungsminister gegründet. Der Vorgang zeigt vielmehr zweierlei: Die Bundeswehr ist bis hinauf in ihre höchsten Bildungseinrichtungen verunsichert. Und sie gehorcht in einem unüberlegten Übereifer den Anordnungen  der Verteidigungsministerin. Beides wirft ein bedenkliches Licht auf die Parlamentsarmee, deren Führungspersonal souverän genug sein müsste, den Unterschied zwischen abzulehnender Wehrmachtstradition und einer Inneren Führung, deren Richtschnur Grundgesetz und Rechtsstaat darstellen, zweifelsfrei zu erkennen. Ursula von der Leyen mag mit ihren ersten pauschalen Äußerungen zu rechtsradikalen Umtrieben zu dieser Verunsicherung beigetragen haben. Zur geforderten klaren Haltung muss die Führungsschicht der Armee  aber rasch finden, sonst können die Soldaten ihre mitunter sehr schwierigen Aufgaben nicht erfüllen.