Das Verteidigungsministerium will mit dem Hersteller Airbus eine Rahmenvereinbarung zur Beschaffung neuer Hubschrauber abschließen. Das teilte das Ministerium mit und bestätigte einen Bericht von "Spiegel Online". Das dort genannte Gesamtvolumen von 8,5 Milliarden Euro für die Modelle "Tiger" und NH90 bestätigte das Ministerium offiziell nicht. Statt ursprünglich 120 Hubschrauber NH90 sollen nun 80 für das Heer, 18 in der Marine-Variante "Sea Lion" plus 22 Optionen geliefert werden. Statt zunächst 80 "Tiger" sollen 40 operativ eingesetzt werden. Die 22 Optionen sollten zur Aufstellung eines multinationalen Verbandes genutzt werden. Die Bundeswehr wolle dabei "mit einem signifikanten Eigenbeitrag vorangehen".

Eine ursprüngliche Vereinbarung mit dem heute zu Airbus gehörenden Hersteller Eurocopter stammt aus dem Jahr 1998. Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wurden 2011 neue Obergrenzen festgelegt. Aufgrund von Kostenrisiken hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aber auch diese Pläne gestoppt.

Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Agnieszka Brugger: "Der neue Hubschrauber-Deal ist kein gutes Geschäft." Es würden zwar weniger Exemplare gekauft als geplant, die Einspareffekte müsse man aber "mit der Lupe suchen".

Kommentar von Christoph Faisst: Halbe Sache

Die Bundeswehr kauft Hubschrauber. Endlich. Denn was derzeit so in den Beständen der Truppe ist, steht eher am Boden als dass es fliegt - zum Beispiel diverser Risse wegen. Einsatzfähigkeit sieht jedenfalls anders aus. Nur so ist es zu erklären, dass es der verteidigungspolitische Sprecher der Bundestags-Unionsfraktion bereits als "wesentlichen Durchbruch" feiert, wenn die Bundeswehr gerade mal einen Teil der geplanten Helikopter anschafft.

Der Mann hat leider recht. Denn die schon endlose Hubschrauber-Geschichte zeigt gleich mehrere Baustellen einer Armee, die sich technisch und politisch auf neue Herausforderungen einstellen muss. Zum einen ist da der - überzogene - Anspruch der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und des Bundespräsidenten Joachim Gauck nach einer stärkeren militärischen Rolle Deutschlands in der Welt. Zum anderen kämpfen die Soldaten mit einer Materiallage, die es ihnen unmöglich macht, diesem Ansinnen auch nur im Ansatz gerecht zu werden. Und dann ist da noch ein Beschaffungswesen, das zwar High-Tech-Gerät hervorbringt, das aber den Soldaten nichts nützt, weil es wahlweise spät oder nie bei ihnen ankommt - und wenn doch, dann mit Defiziten, die an die Alltagstauglichkeit rühren.

Auch dem nun gefeierten Transporthubschrauber NH90 wurden solche Mängel attestiert - der Boden zu dünn und viel zu wenig Platz für Mann und Material. "Wann immer möglich, sind alternative Luftfahrzeuge zu nutzen", wurden einst Heeresexperten zitiert. So besehen ist die gestrige Entscheidung tatsächlich ein Erfolg - auch wenn sie nach Zahlen nur eine halbe Sache ist.