Ulm Bundestrainer 2.0

Ein kasachischer Fan in den Nationalfarben seines Landes.
Ein kasachischer Fan in den Nationalfarben seines Landes. © Foto: afp
Ulm / ARMIN GRASMUCK 15.01.2016
Spätestens in fünf Monaten, wenn die Europameisterschaft der Fußballer in Frankreich angepfiffen wird, bläst Joachim Löw wieder kräftig der Wind ins Gesicht. Die falsche Aufstellung, eine ungeschickte Auswechslung - leider verloren.

Der Zorn des fachkundigen Publikums entlädt sich eher selten auf stümpernden Abwehrspielern oder dem Stürmer, der die besten Torchancen vergeigte. Schuld ist der Trainer, so lautet seit jeher das harte Urteil des Volkes, wenn Deutschland verliert. "Wir haben zehn Millionen Bundestrainer", so seufzt der Löw.

Weltmeister? Europameister? Die Kasachen können darüber ohnehin nur lachen. Zu keiner Zeit war dieser Fußballzwerg - der, obwohl in Zentralasien gelegen, der europäischen Kickerunion zugehört - ein ernsthafter Kandidat für einen Startplatz bei den kontinentalen und internationalen Festspielen. Derzeit liegt Kasachstan auf Rang 132 der Weltrangliste, einen Platz hinter der Auswahl Palästinas, aber klar vor Namibia.

Mithilfe der eigenen Anhänger und modernster Technik versucht Jerlan Koschagapanow, der Präsident des kasachischen Verbands, nun also gezielt, das Erfolgspotenzial seiner Landesauswahl zu erhöhen. Der Fußballboss aus der Hauptstadt Astana wird, so verriet er in trauter Runde, seinen nächsten Nationaltrainer ungeniert und ergebnisoffen über eine landesweite Umfrage im Internet ermitteln lassen.

Im ersten Schritt können die 17,5 Millionen Kasachen demnach in Kürze mit ihrem Votum online darüber abstimmen, ob der neue Trainer aus Kasachstan oder dem Ausland kommen soll. Machen mehr als 50.000 User mit, sieht der Verband das Urteil als bindend an. Im zweiten Wahlgang werden vier Kandidaten zur Wahl gestellt - und die Fans entscheiden, wer den Job kriegt.

Und wenn die Siege ausbleiben? Selbst schuld, die Kasachen wollten es so. Es gibt keine Möglichkeit, den Trainer per Mausklick aus dem Amt zu jagen. Das macht der Präsident auch in Zukunft höchstselbst.

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