Wahlkampf Buhlen um die Gunst der Bayern

München / Patrick Guyton 05.10.2018

Die CSU vor dem Absturz, die Grünen im Höhenflug, die AfD als rechtes Phänomen – das bestimmt den bayerischen Landtagswahlkampf. Doch auch andere Parteien werben um Stimmen: SPD, Freie Wähler, FDP, Linke. Hier ein Überblick über deren Strategien.

SPD: Kaum jemand in Bayern beneidet die SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Von früh bis spät ackert die 50-Jährige im Wahlkampf, trifft sich unter dem Motto „Kohnen plus“ mit oft sehr interessanten Menschen in einer öffentlichen Talkshow – und doch will kein richtiger Funke der Begeisterung für die SPD überspringen. Bei 11 bis 13 Prozent steht die Partei in den Umfragen. Bei der letzten Wahl 2013 erreichte sie noch 20,6.

Es sind der bundespolitische Gegenwind, die zerstritten auftretende große Koalition in Berlin, die der SPD im Freistaat die Luft nehmen. Die Wahlkampfstrategie der SPD, sich auf wenige Themen zu konzentrieren, scheint bisher nicht aufzugehen. „Die Kita-Betreuung soll kostenfrei sein“, sagt Kohnen, und in jedes Mikrofon ruft sie: „Wir brauchen mehr bezahlbare Wohnungen.“ Nur – die massive Wohnungsnot greifen andere Parteien auch auf. Und viele Bürger glauben nicht daran, dass irgendeine Partei substantiell etwas ändern könnte

 Krachende Bierzeltreden kann  Kohnen nicht halten, dafür ist sie eine zu nachdenkliche, besonnene Frau. In der Flüchtlingspolitik hat sie sich eindeutig positioniert: „Anstand“ steht in großen Lettern auf den Wahlplakaten, und in keiner Diskussionsrunde lässt sie die Forderung aus, die Menschen in Bayern sollten sich „mit Respekt begegnen“.

Freie Wähler (FW): Aus der Kommunalpolitik entstammen die Freien Wähler, die sich vor Ort gegen CSU-Filz wendeten. Seit zehn Jahren sitzen sie im Landtag, und ihr Erfolg hat einen Namen: Hubert Aiwanger. Der kantige 47 Jahre alte Landwirt aus Niederbayern hat in der Partei den Landes- sowie den Bundesvorsitz inne, im Maximilianeum steht er der Fraktion vor. 2013 erhielten die FW9,0 Prozent, jetzt liegen sie bei zehn bis elf.

Manch ein enttäuschter CSU-Wähler wendet sich ihnen zu. Aiwanger geht die Politik hemdsärmelig an und sieht die FW als bürgerliche, pragmatisch handelnde Alternative zu den Christsozialen. In der Flüchtlingspolitik vertritt die Partei eine noch härtere Haltung.

Offen steht der gestandene und zuweilen poltrige Landwirt Aiwanger dazu, dass er nach der Wahl gerne mit der CSU koalieren und dann auch Minister werden möchte, wer sonst? In einem Bündnis würden die FW aber nicht der „Stiefelknecht“ sein. Vielmehr will Aiwanger „den Größenwahn der CSU beenden“.

FDP: Martin wer? Martin Hagen heißt der Spitzenkandidat der bayerischen FDP. Einem breiteren Publikum sind er und seine Mitstreiter bisher nicht wirklich bekannt. 37 Jahre ist der Strategie- und Kommunikationsberater. Die Geschichte der Bayern-FDP ist über weite Teile eine traurige. In den Landtag hat sie es nur selten geschafft. Zwischen 2008 und 2013 allerdings war sie sogar ungeliebter Koalitionspartner des Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Der schaffte es, die Liberalen wieder klein zu machen, sodass sie mit nur 3,3 Prozent erneut aus dem Parlament kippten.

Nach der Niederlage trat die alte Garde um die einstigen Minister Martin Zeil und Wolfgang Heubisch ab, die Liberalen erneuerten sich mit jungen Kräften. In der Wohnungspolitik hält die FDP nicht viel von sozialem Wohnungsbau und setzt auf Nachverdichtung und Entbürokratisierung, sodass neuer Wohnraum einfacher zu schaffen ist. Laut den Umfragen könnten die Liberalen mit fünf bis sechs Prozent wieder in den Landtag einziehen.

 Linke: Es gibt sie auch in Bayern – die Linke, die 2013 mit 2,1 Prozent den Einzug in den Landtag klar verfehlte und seitdem in den Umfragen mit drei bis vier Prozent gehandelt wurde. Im jüngsten „Bayern-Trend“ des BR stand sie gar auf fünf Prozent. Eva Bulling-Schröter und Ates Gürpinar heißen ihre Spitzenkandidaten. Bulling-Schröter saß schon 20 Jahre für PDS/Linke im Bundestag. Gürpinar, 34 Jahre alt, begann als Linken-Pressesprecher und wurde dann Geschäftsführer des bayerischen Landesverbandes.

In der Wohnungspolitik fällt Gürpinar mit recht drastischen Positionen auf – so fordert er zum Beispiel, dass freie Wohnungen vermietet werden müssen. Steht Wohnraum leer und verfällt, sollte dieser enteignet werden, fordert er.

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