Warst du noch Metall oder schon Plastik? Zumindest im Hinblick auf Fischertechnik konnte sich die Plastikgeneration glücklich schätzen. Denn was - aus Metall - erst mal fest verschraubt war, ging nie mehr auf. Korrekturen? Umbauten? Praktisch unmöglich. Die Plastikteile hingegen ließen sich spielend in- und auseinanderdröseln. Flugs wurde ein Hochhaus zum Hubschrauber.

Das Patenkind (8) gähnt bis zum Haaransatz. Aber da muss es jetzt durch. Auch uralte Tanten und Onkel haben schließlich Rechte, und wenn es nur das ist, fachsimpelnd in Erinnerungen zu schwelgen. Oder gar einschlägige Ausstellungen zu besuchen, wie etwa "Spielzeuge aus drei Jahrhunderten" in Memmingen. Dass manche Alte die mitgeführten Kinder dort genüsslich mit Zitaten aus vergilbten Jugendbüchern traktieren, geht vielleicht ein bisschen weit. Wer aber als Erwachsener 2014 Weihnachtswunschzettel abarbeiten muss, auf denen Dinge stehen wie "Die drei kleinen Schweinchen als interaktives Mitmach-Märchen", der darf ruhig auch mal so tun, als ob er selber vor 40 Jahren noch richtige Tierbücher gelesen hätte. Statt irgendwelche putzigen Ferkel per "Wisch- und Tipp-Interaktionen zum Leben zu erwecken", wurde der junge Leser anno dazumal mit lexikalischem Wissen zum Thema "Schwarzwild" erschlagen: "Als eigentümlich hat das Gebiss zu gelten, das in jeder Hälfte des Ober- und Unterkiefers drei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Vorbacken- und drei echte Backenzähne aufweist . . ."

Das Patenkind, den Tränen nah, darf zur Beruhigung jetzt erst mal ein Selfie machen. Mit Zweiraum-Puppenstube inklusive Nachttöpfchen aus dem vorigen Jahrhundert im Hintergrund. Ehe es dann zurück in die Stadt geht, wo sich das Kind vorher in ein dreistöckiges Barbie-Domizil der Marke "glamouröser Wohntraum in Pink" verliebt hat, mit Aufzug, Wellnessbereich und Flachbildfernseher (angeblich toll für Partys und Filmabende).

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