Ulm Bucks heile Welt: Schöner Traum

Ulm / SWP 16.01.2016
Der Tragekomfort ist einfach unbeschreiblich!" - "Aber gut pflegen muss man sie. Also, ich ziehe meine nie zweimal hintereinander an!" - "Qualität zahlt sich langfristig einfach aus. Das spürst du am ganzen Körper!"

Klingt das nicht nach typischem Mädels-Talk? Nach drei Frauen, die mal wieder nichts Besseres zu tun haben, als sich über teure Dessous zu unterhalten? Aber genau so war es in diesem Fall nicht. Vielmehr wurde das obige Gesprächsprotokoll in exakt diesem Wortlaut im Zug aufgezeichnet, und zwar neben einem Herren-Trio. Drei Männer sprachen über Schuhe!

Wobei das Wort "Sprechen" den Sachverhalt nur unzureichend wiedergibt. "Philosophieren" trifft es eher. Denn schließlich wurden in dieser extrem gepflegten Herrenrunde, aus der weder Heringsbrötchenschwaden noch Handyquaktöne aufstiegen, keineswegs belanglose Shoppingtipps ausgetauscht. Es ging ausschließlich um Grundsätzliches, um die großen Fragen des Lebens schlechthin.

Der Fuß, predigte Leonardo da Vinci beziehungsweise einer der drei Männer im Zug, "ist ein Kunstwerk aus 26 Knochen, 19 Muskeln und 107 Bändern" - und ein solches Kunstwerk habe, dies sei seine feste Überzeugung, einen fürwahr würdigen Rahmen verdient. Er jedenfalls lasse an seine Füße außer der Podologin seines Vertrauens nur in traditioneller Weise rahmengenähtes Schuhwerk von höchster handwerklicher Qualität, vorzugsweise klassische, auch den kräftigen Fuß umschmeichelnde Budapester, zwiegenäht mit Zopfmuster, mit Messingstiften genagelt und einem verschraubten Stoßblatt versehen. . .

Nur gut, dass unsereiner stenografieren kann. Sogar im Schlaf. Denn tatsächlich handelte es sich bei der Herrenrunde im ICE um einen Traum, aufgetreten im überfüllten Bistrowagen zwischen Kassel und Heilbronn, wo unsereiner kauerte, zwischen ausschließlich ungeputzten, absatzschiefen Schuhen. Aber allein schon der Traum war einfach schuh schön.

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