Ulm / SWP  Uhr
Wenn der/die Deutsche nicht gerade gemütlich vor sich hin altert, grillt oder püriert er sich was.

Zwischendurch regelt er seine letzten Dinge und kümmert sich ein bisschen um sein Hirn, wobei diese Tätigkeit auf der Hitliste seiner Lieblingsbeschäftigungen erst auf einem abgeschlagenen neunten Platz rangiert.

Dieser Erkenntnis zugrunde liegt nicht etwa ein großer, von der Bundesregierung anberaumter Bürgerdialog. Auch keine Studie einer renommierten Universität im US-Staat Iowa. Und schon gar keine zukunftsweisende, an die Kernfragen der menschlichen Existenz rührende Umfrage Ihrer zuständigen Kommune: Halten Sie anderthalbsekündige Grünphasen an innerstädtischen Fußgängerampeln wirklich für zu kurz? Und falls ja, warum?

Nein, Grundlage der neuesten Erkenntnisse über die Gemütslage der Deutschen ist schlicht die aktuelle Bestsellerliste der Ratgeberbücher, welche von der Schmid'schen "Gelassenheit" über Weber's "Grillbibel" bis zum "Vorsorge-Set" der Stiftung Warentest reicht. Ein vergleichsweise seriöser Stimmungsmesser also.

Ein wenig Skepsis ist dennoch angebracht. Ein gekauftes Buch ist noch kein gelesenes. Von der Umsetzung der zahllosen Ratschläge und Rezepte ganz zu schweigen. Eine Hochglanz-Grillbibel hat noch keinen zum Vollzeithausmann bekehrt, und ein wenig Blättern in süffigem Geplauder übers Hirn bringt das zähe eigene nicht zwangsläufig auf Trab. Obwohl selbstverständlich jeder das Zeug zum Genie hat, wie die smarte Gedächtnisakrobatin Christiane Stenger ("Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt!") verkündet. Man muss nur 10.000 Stunden lang irgendwas mit Begeisterung üben, etwa Geige oder Wasserski, schon hat man's drauf.

Im Zweifelsfall geht pürieren über studieren. Drei der zehn meistverkauften Ratgeber derzeit sind Smoothie-Bücher. Insofern ist der Durchschnittsdeutsche zumindest auf dem Weg zum, Trommelwirbel, Pürier-Genie.