Hintergrund BSI: Immer neue Ziele für Hacker

Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm.
Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm. © Foto: Daniel Karmann/dpa
Berlin / Igor Steinle 12.10.2018

„Die Lage hat sich weiter zugespitzt. Und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass sich das zukünftig ändern wird.“ So beschreibt der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland. Gestern stellte er gemeinsam mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) den neuen BSI-Lagebricht vor.

800 Millionen Schadprogramme seien mittlerweile bekannt, sagte Schönbohm. Pro Tag kämen etwa 390 000 neue Varianten hinzu. Seehofer warnte außerdem davor, dass sich nach wie vor Computer mit der Erpressungs-Software „Wannacry“ infizierten. „Die Gefährdungslage bleibt weiterhin angespannt, sowohl für den Staat, für die Wirtschaft als auch für die Nutzer“, so Seehofer. 

Neue Angriffsziele entstehen mit der zunehmenden Vernetzung von Alltagsgegenständen wie Stromzähler und Heizungen oder auch von Medizinprodukten. So sei es bereits gelungen, Herzschrittmacher oder Beatmungsgeräte zu hacken und umzuprogrammieren, schreibt das BSI in seinem Bericht. Auch vom „Smart Home“ und dem „Internet der Dinge“ ist ausführlich die Rede. So warnt das BSI aufgrund der unzureichenden Sicherheitsstandards der Geräte vor Einbrüchen, Datenklau, Sabotage und „Botnetzen“.

Stromfresser Kryptowährung

Eine Bedrohung ist seit dem Aufstieg von Kryptowährungen wie Bitcoin außerdem hinzugekommen: der Diebstahl von Rechenleistung. So schwenken Cyber-Kriminelle immer öfter um – von Erpresser-Software wie „Wannacry“  auf lukrativere Aktivitäten wie das heimliche Schürfen von Kryptowährungen auf fremden Computern. Die Opfer blieben dann auf hohen Stromrechnungen für den erheblichen Energiebedarf sitzen, heißt es im BSI-Bericht.

Um solchen Gefahren in Zukunft effektiver begegnen zu können, will Seehofer das BSI „zum vierten großen Pfeiler“ in der deutschen Sicherheitsarchitektur machen. „Mir schwebt vor, dass das BSI in einem Zusammenhang gesehen wird mit dem Bundeskriminalamt, dem Verfassungsschutz und der  Bundespolizei“, so der Innenminister. Erweiterte Befugnisse, mehr Personal und eine stärkere Sachausstattung für die Bonner Behörde seien deswegen nötig.

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