Die Entfremdung zwischen Boris Palmer und seiner Partei ist als Prozess längst abgeschlossen. Dass der einstige Shooting-Star mal mehr werden könnte als Tübinger OB, ist schon lange utopisch. Nun scheinen die Grünen aber den Schlussstrich zu wollen – wegen eines Satzes, den Palmer nie hätte sagen dürfen, auch wenn er anders gemeint war.

Die verbalen Fehltritte des Tübinger OBs verärgern die Grünen-Spitze

Das Bemerkenswerte am Zerwürfnis ist, dass es nie an Palmers Politik lag, die in Tübingen „grün“ wie aus dem Lehrbuch ist. Es sind seine verbalen Fehltritte als Provokateur in den Medien, die immer wieder für Entrüstung sorgen und den Geduldsfaden nun endgültig reißen lassen. Habeck & Co. könnte zwar egal sein, was ein OB so von sich gibt. Mit seiner enormen Präsenz in Leitmedien ist Palmer aber eines der prominentesten Gesichter der Grünen – da kann sich die Parteispitze noch so viel distanzieren.

Mit rhetorischer Wucht und unkonventionellem Denken hat Palmer schon manch fruchtbare Debatte losgetreten. Dass er dabei oft überzieht, dieselben Fehler ständig wiederholt und sich, seiner Partei und seinen Anliegen schadet, ist die persönliche Tragik eines Unbelehrbaren.