SPD Luisa Boos verzichtet auf Listenplatz

Luisa Boos erhielt einen aussichtsreichen Platz zur Europawahl. Nun verzichtet sie, weil sie ihn nicht gegen Parteigenossin Evelyne Gebhardt verteidigen will.
Luisa Boos erhielt einen aussichtsreichen Platz zur Europawahl. Nun verzichtet sie, weil sie ihn nicht gegen Parteigenossin Evelyne Gebhardt verteidigen will. © Foto: Christoph Schmidt/dpa
Stuttgart / Jens Schmitz 07.12.2018
Luisa Boos hat auf ihren aussichtsreichen Platz 15 auf der Bundesliste der SPD zur Europawahl verzichtet.

Kurz vor der entscheidenden Delegiertenkonferenz in Berlin hat die Landes-SPD ihren Kampf um mehr Gewicht auf der Europawahlliste intensiviert. Baden-Württembergs frühere Generalsekretärin Luisa Boos verzichtete am Freitag auf den ihr zugedachten Platz 15: Sie wolle nicht gegen die amtierende Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Evelyne Gebhardt, kandidieren. Auch für den zweiten aktuellen Abgeordneten aus Baden-Württemberg, Peter Simon, hat Landes-Chef Andreas Stoch wieder Hoffnung: „Mit je mehr Leuten ich rede, desto mehr stimmen mir zu“, sagte er unserer Redaktion.

Liste sollte jünger und weiblicher werden

Die SPD will ihre Kandidatenliste am Sonntag in Berlin beschließen. Bei den Südwest-Genossen gärt es im Vorfeld: Der Bundesvorstand hat ihnen in seinem Vorschlag unter den ersten zwanzig Plätzen nur einen zugewiesen, den mäßig chancenreichen Platz 15. Zusätzlich sieht der Landesverband sein demokratisches Votum missachtet: Die SPD Baden-Württemberg hatte ihre damalige Generalsekretärin Luisa Boos im September hinter den beiden Europa-Abgeordneten Gebhardt und Simon nominiert. Der Bundesvorstand veränderte diese Reihenfolge jedoch, vorgeblich mit dem Ziel, die Liste „jünger und weiblicher“ zu gestalten. Er schlug die 34-jährige Boos auf Platz 15 vor, Evelyne Gebhardt (64) und Peter Simon (51) auf den aussichtslosen Plätzen 25 und 28.

Seither herrscht helle Aufregung im Südwesten, zumal vor Gebhardt mehrere Männer platziert sind, die sie an Lebensjahren übertreffen. Diese Woche bestätigte sie unserer Redaktion in Brüssel, sie werde „auf jeden Fall“ auf Platz 15 kandidieren. Auf eine Kampfkandidatur lässt Boos es aber nicht ankommen: Am Freitag bat sie den Bundesvorstand, sie auf Platz 25 vorzuschlagen.

„Ich möchte unter diesen Umständen nicht auf Platz 15 der Bundesliste kandidieren“, schrieb Boos in einer Erklärung, die sie auch online veröffentlichte. Sie wolle ihren Listenplatz nicht gegen die „von mir politisch und menschlich sehr geschätzte“ Landes-Genossin verteidigen.

Stoch erklärte, Boos‘ Schritt verdiene großen Respekt. „Ich gehe sehr stark davon aus, dass der Parteivorstand sich dieser Erklärung von Boos und auch Gebhardt nicht entziehen kann.“ Aufgrund eines Rückzugs in Thüringen müsse die Liste vor der Delegiertenkonferenz ohnehin noch einmal verändert werden. Den Konflikt um Gebhardt und Boos könne man also im Vorfeld abräumen.

Stoch hofft, dass das die Chance erhöht, auch für den zweiten Südwest-Abgeordneten noch eine bessere Platzierung zu erreichen. „Peter Simon hat bundesweit höchstes Ansehen“, sagte er über den Mannheimer Finanz- und Steuerexperten. „Wie man mit derartiger Qualifikation jetzt möglicherweise aus dem Europaparlament weichen muss, das versteht kein Mensch.“

Wo Simon angreifen wird, mochte Stoch am Freitag nicht verraten. Aufgrund der Interessen anderer Landesverbände bleibe es äußerst schwierig, Verbündete zu finden. Die entscheidende Frage sei, ob Delegierte andere Sichtweisen vorzögen, etwa weil sie den Jusos angehörten. „Die Jusos haben eine klare Sicht auf die Dinge geschildert, nämlich dass eine Liste, bei der zwischen den Plätzen 10 und 20 drei Männer mit jenseits Mitte 60, eher 70 stehen, wohl auch kein Aufbruchssignal ist.“ Neben Simons Expertise hofft Stoch, auch das Argument der Verjüngung für den Baden-Württemberger verwenden zu können.

Zur SPD-Konferenz in Berlin werden 200 Delegierte erwartet, davon 15 aus Baden-Württemberg. Knapp 40 Prozent der Entsandten sind Stoch zufolge im Juso-Alter. „Gewissheit haben wir erst am Sonntag.“

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