Seoul Bomber soll abschrecken

DPA/AFP 11.01.2016
Selbstverteidigung nennt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un den letzten Atomtest. Im Gegenzug demonstrieren die USA und ihr Verbündeter Südkorea Stärke. Ein B52-Bomber überfliegt Südkorea.

Nach einem Atomtest Nordkoreas haben die USA als Demonstration militärischer Stärke einen B52-Langstreckenbomber nach Südkorea geschickt. Der Bomber habe Südkorea in niedriger Höhe nahe der nordwestlichen Stadt Osan überflogen, teilte die Pazifik-Kommandostelle der US-Streitkräfte am Sonntag mit.

"Das war eine Demonstration der eisernen Entschlossenheit der USA, ihre Verbündeten in Südkorea, in Japan sowie amerikanischen Heimatboden zu verteidigen", wurde der Befehlshaber der Kommandostelle, Admiral Harry Harris Jr., zitiert. B52-Bomber können auch als Träger von Atomwaffen eingesetzt werden. Die USA haben Südkorea unter ihren "nuklearen Schutzschild" gestellt. Harris warf Nordkorea eine "krasse Verletzung seiner internationalen Verpflichtungen" vor.

Dagegen bezeichnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un den Atomversuch vom Mittwoch als Akt der "Selbstverteidigung". Das isolierte Regime behauptet, bei dem Test sei erstmals eine Wasserstoffbombe gezündet worden. Nordkorea verwies auf das Schicksal der langjährigen Machthaber im Irak und in Libyen, Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi. Diese hätten der "Zerstörung" nicht entkommen können, nachdem ihnen "die Basis für nukleare Entwicklung" genommen worden sei, kommentierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Die Geschichte habe bewiesen, dass "kraftvolle nukleare Abschreckung als das stärkste (...) Schwert dient, um Aggression von außen zu verhindern", schrieb KCNA.

Erste Analysen der im Ausland gemessenen Erschütterungen deuten westlichen und südkoreanischen Experten zufolge aber eher auf den Test einer herkömmlichen Atombombe hin als auf die Zündung einer erheblich stärkeren H-Bombe.

Der B52-Bomber sei bei dem Flug über Südkorea von amerikanischen und südkoreanischen Kampfjets begleitet worden, teilten die US-Streitkräfte weiter mit. Anschließend sei der Bomber zu seinem Stützpunkt auf die US-Pazifikinsel Guam zurückgekehrt. B52-Bomber waren mehrmals für Übungen nach Südkorea gebracht worden.

Nordkoreas Machthaber unterstellte den USA wie üblich, einen Atomkrieg vorzubereiten. Ziel des Atomtests sei es gewesen, den Frieden auf der koreanischen Halbinsel und die Sicherheit der Region vor der "Gefahr eines von den US-geführten Imperialisten verursachten Atomkriegs" zu verteidigen, sagte Kim Jong Un. Zuvor hatte Nordkorea seinen Ton verschärft, weil es sich durch Propaganda-Beschallungen durch Südkorea an der Grenze gestört fühlt. Die USA und ihre Verbündeten würden die Lage auf der koreanischen Halbinsel "an den Rand eines Krieges" treiben, warnte Parteisekretär Kim Ki Nam.

Propaganda und ihre Folgen

Beschallung Auf einer organisierten Feier des Atomtests hat das Regime in Pjöngjang auch die Beschallungen durch Südkorea kritisiert. Es reagierte mit Propaganda-Sendungen auf den Atomtest und setzte Lautsprecheranlagen an mehreren Stellen entlang der 240 Kilometer langen Grenze wieder in Gang. Aus den Lautsprechertürmen erklingen Popmusik, Nachrichten sowie Kritik am Regime von Kim Jong Un.

Sanktionen Pjöngjang hatte angesichts solcher Beschallungen im vergangenen Sommer "den Quasi-Kriegszustand" ausgerufen. Erst nach Verhandlungen wurde die Krise beendet. Nordkorea hatte schon zwischen 2006 und 2013 drei Atomtests unternommen, auf die der UN-Sicherheitsrat jeweils mit verschärften Sanktionen antwortete.