Berlin Blick in die schwäbische Seele

MICHAEL WATZKA 18.10.2012
Schwaben sind in Berlin nicht wirklich beliebt. Um das zu ändern, gab es jetzt die erste "Schwabiennale". Die Resonanz ist positiv.

Man hat es nicht leicht als Schwabe in Berlin. Entweder man lebt inkognito, leugnet die eigene Mundart - so gut es eben geht - und legt sich ein möglichst fremdlautfreies Hochdeutsch zu, oder aber man fällt unangenehm auf. Immer häufiger stößt man in der Spreemetropole auf schwabenfeindliche Hetzparolen wie "Tötet Schwaben" oder "Schwaben raus" - und jede Menge Vorurteile.

"Der Höhepunkt war für mich erreicht, als ein Brandstifter als Motiv später Schwabenhass angab", sagt Achim Ruppel. Der gebürtige Albstädter lebt seit 1979 an der Spree und ist der Initiator der "Schwabiennale", der ersten schwäbischen Kulturwoche in Berlin. "Wir wollten den Vorurteilen mit einem Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Selbstironie begegnen", erklärt der 57-Jährige. In Lesungen, Ausstellungen und Konzerten habe man den Berlinern die Schwabenseele geöffnet - musikalisch, literarisch und lukullisch.

Teil des Programms war unter anderem die Uraufführung der "Schwabenhatz", dem Siegerstück eines Autorenwettbewerbs vom Vorjahr. Eine unterhaltsame Show, die dem "Mysterium dieser in Berlin fragwürdigen Spezies" auf den Grund geht. Am Ende seien alle fünf Vorstellungen ausverkauft gewesen, sagt Ruppel. Dabei hatte es anfangs sogar Drohanrufe gegeben. "Als ich dann einen von denen fragte, was er denn von mir wolle, entgegnete der: Kooperation."

So kam die Zusammenarbeit mit Jurij Padernin zustande. Der 32-Jährige aus Prenzlauer Berg ist Sprecher eines Berliner Sprayernetzwerks, das sich für legale Graffitikunst einsetzt. Ruppels Angebot, das Bühnenbild für die "Schwabenhatz" zu gestalten, habe man gerne angenommen. "Den Schwaben sagt man nach, sie seien pedantisch und spießig, wir Berliner sind eher pragmatisch, das passt halt nicht. Wenn dabei aber ein Dialog entsteht, ist das doch auch in unserem Sinne."

Achim Ruppel indes hofft, dass die ganze Diskussion abflaut. "Berlin hat doch wirklich andere Sorgen", meint der Exilschwabe. Draußen hält gerade einer der Linienbusse, auf denen die heimische Landesregierung neuerdings wirbt: "Nett hier, aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?"