Zum Jahreswechsel haben die Kirchen in Deutschland zu Solidarität mit den Flüchtlingen und Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit aufgerufen. Die Integration der Zuwanderer sei eine große Herausforderung, der sich auch die Kirche stelle, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, am Silvesterabend. "Wenn nicht wir Christen glauben, dass Menschen verschiedener Kulturen zusammenleben können, wer sollte das sonst einbringen?"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief dazu auf, mit Gott "ohne Verzagtheit ins Jahr 2016" zu gehen. "Wir würden mit nüchternem Blick auf die Probleme schauen, die mit der Integration vieler Menschen verbunden sind, die als Flüchtlinge hierher kommen", führte er im Neujahrsgottesdienst in der Dresdner Frauenkirche aus. "Aber wir würden uns davon nicht einschüchtern lassen, sondern anpacken und die Empathie weiter ausstrahlen, die unser Land im letzten Jahr zu einem der berührendsten Orte der Welt gemacht hat." Gleichzeitig verurteilte der bayerische Landesbischof fremdenfeindliche Übergriffe. Sie träfen Menschen, die unter Lebensgefahr vor brutalen Gewaltorgien geflohen seien, erklärte Bedford-Strohm.

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, machte sich für den besonderen Schutz unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge stark. Die karitative Arbeit der Diözese für die jungen Menschen werde in Kooperation mit Caritasverband und Kirchengemeinden verstärkt, kündigte Fürst an. Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode sagte, man solle den Geflohenen mit mehr Offenheit begegnen. Es brauche Vertrauen, Mut und Entschlossenheit, um die Integration der Flüchtlinge zu stärken, damit sie in Deutschland eine neue Heimat fänden.

Die mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann rief dazu auf, sich nicht von fremdenfeindlichen Attacken einschüchtern zu lassen. Zwar sei es erschreckend, dass sich bei der wachsenden Zahl von Anschlägen Gewalt nicht nur gegen Sachen, sondern auch gegen Menschen richte. Das Zusammenleben dürfe aber nicht von Kriminellen bestimmt werden.

Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs sagte, trotz verstörender Ereignisse wie der Terroranschläge in Paris sei 2015 auch ein gutes Jahr gewesen. So habe Deutschland eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Die feste Gewissheit, dass das Gute sich am Ende durchsetzen wird, sei vielleicht der wichtigste Beitrag der christlichen Tradition für das Zusammenleben, sagte die evangelische Theologin.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann appellierte an die Gläubigen, auf Flüchtlinge zuzugehen und sich auf Veränderungen einzulassen. "Wir werden in vielem im Blick auf unsere Maßstäbe für ein gelingendes Leben umdenken müssen, nicht nur auf uns allein schauen dürfen, sondern diese Fremden an unseren eigenen Lebenschancen teilnehmen lassen müssen".