So abgeschieden wie oft in den vergangenen 60 Jahren kommen die Bilderberger diesmal nicht zusammen. Das 64. Treffen der Mächtigen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien findet ab Donnerstag in Dresden statt. Im Taschenbergpalais, einem Luxushotel in der Altstadt. Bis Sonntag werden 130 Teilnehmer über das Weltgeschehen und die Stärkung der transatlantischen Beziehungen beraten, darunter Konzernlenker, Polit-Strategen und mit Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble und Thomas de Maizière (alle CDU) auch drei Bundesminister. Die Gästeliste liest sich wie das „Who is Who“ der Weltwirtschaft. Doch wie immer wird am Ende nichts nach draußen dringen.

Die Kritiker der Konferenzen wittern einen Geheimbund - sie fordern mehr Transparenz. Aber was steckt hinter den Bilderberg-Konferenzen? Hier finden Sie sieben Antworten auf die drängendsten Fragen: www.swp.de/3872677

„Je weniger über bestimmte Ereignisse kommuniziert wird oder Informationen darüber vorliegen, desto mehr neigen die Menschen dazu anzunehmen, dass es da um irgendetwas Geheimes geht, was sie nicht wissen sollen“, sagt Eva Kimminich. Die Professorin lehrt Kulturwissenschaften an der Universität Potsdam und beschäftigt sich mit dem Entstehen von Verschwörungstheorien, die derzeit Konjunktur haben. „Und bei dieser hier geht es ja darum, dass ein paar Mächtige über die weitere Zukunft entscheiden.“

So haben denn auch von der „Roten Fahne/Antifaschistische Aktion“ bis zur rechtsextremen NPD zahlreiche Parteien, Gruppen und Einzelpersonen knapp zwei Dutzend Protestkundgebungen gegen die Konferenz angekündigt. Auffallend: Das Engagement rechter Gruppen. Auch die AfD und Pegida rufen zu Aktionen auf. „Den Bilderbergern wird unterstellt, dass sie die Weltherrschaft antreten wollen. Das geht natürlich gegen ein völkisch-nationales Bild, das gerade die rechten Gruppierungen vertreten, die ja auch der US-Regierung vorwerfen, die Weltregierung übernehmen zu wollen“, sagt Kimminich. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Die Stadt hat ein Versammlungsverbot rund um den Tagungsort verhängt. Für Drohnen und andere Flugobjekte gilt eine Sperrzone.

Schon seit dem ersten Treffen 1954 im Bilderberg-Hotel des damaligen Prinzgemahls der niederländischen Königin wird die Konferenz nach der sogenannten „Chatham House Rule“ abgehalten. Sie gestattet Teilnehmern zwar, erhaltene Informationen zu verwenden. Aber weder Identität noch Zugehörigkeit der Redner oder anderer Teilnehmer dürfen preisgegeben werden. Veröffentlicht wird außer einer Teilnehmer- und einer Themenliste nichts. Das schafft Raum für Spekulationen.

„Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern“, sagt Henri de Castries, Chef des Axa-Versicherungskonzerns und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Bilderberger. Dass es sich bei den Teilnehmern um eine Machtelite handelt, sei nicht relevant. „Es ist kein Parlament, keine operative Organisation.“ Schließlich würden auch keine Entscheidungen getroffen. „Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?“

Einer, der schon mal dabei war und aus seiner Partei dafür auch Schelte bezog, ist Jürgen Trittin. 2012 war er Fraktionschef der Grünen im Bundestag. In der Verschwiegenheitsklausel kann er durchaus auch Positives erkennen. „Denn es macht Sinn, gelegentlich mal in einem solchen Rahmen zu reden.“

Und die Idee der Weltregierung? „Es ist ein Märchen, denn wenn es die Weltregierung wäre, dann wäre die Welt eine Monarchie, denn es ist immer der König – früher war es die Königin – der Niederlande dabei. Und dann würde es heißen „Willem Alexander rules the world“. Das ist ungefähr so zutreffend wie die berüchtigten Chemtrails, die angeblich im Auftrag der Bilderberg-Konferenz über Europa versprüht werden.“ Verschwörungstheoretiker vermuten in den Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel eine gezielte Strategie zur Beeinflussung der Bevölkerung mit Hilfe von Chemikalien.