Berlin Beutezug am Bahngleis

PETER GÄRTNER 26.03.2012
Die Bahn steht vor einem weiteren Problem: Kabeldiebe stören den Zugverkehr. Neue Technik soll ihnen das Handwerk legen.

151 515 Minuten oder gut 2525 Stunden - so viel Verspätung fuhren Züge der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr ein. Dabei kämpfte die Bahn nicht mit dem Wetter, sondern gegen ein neues Phänomen: den zunehmenden Kabelklau.

Insgesamt waren 2011 nach Angaben der Bahn AG 10 970 DB-Züge und deren Fahrgäste betroffen, die dadurch Anschlusszüge, Flüge, Fähren, Geburtstage, Prüfungen oder Vorstellungsgespräche verpassten. Denn selbst wenn nur ein kurzes Stück Signalkabel des Sicherungssystems gestohlen wird, springen die Signale entlang der betroffenen Strecke auf Rot.

Jetzt zieht die Bahn die Notbremse und will den Dieben das Stehlen schwerer machen. In Berlin und anderen besonders betroffenen Regionen hat die Bahn begonnen, Signalkabel und andere Metallteile mit künstlicher DNA zu markieren. Das ist eine schnell trocknende Flüssigkeit, die winzige, für das menschliche Auge unsichtbare Plättchen enthält, auf denen unter einem Mikroskop das DB-Logo und ein Code aus Zahlen und Buchstaben sichtbar wird. Mit einer UV-Lampe können Metallhändler und Polizisten erkennen, ob ein Kabel markiert ist.

Im vergangenen Jahr gab es im Bereich der Deutschen Bahn AG bundesweit mehr als 3000 Buntmetalldiebstähle, allein in Brandenburg 535. Der Sachschaden betrug insgesamt rund 15 Millionen Euro. Auch andere Regionen in Ostdeutschland, vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern waren stark betroffen. Viele der Bahnstrecken führen dort durch nahezu unbewohnte Gebiete. Hier sollen jetzt verstärkt Streifen der Bundespolizei eingesetzt werden.

Die Bahn führt die Konzentration der Metalldiebe auf den Osten der Republik auch auf die Nähe zu osteuropäischen Ländern zurück, aus denen ein Großteil der ertappten Diebe stammt. Den häufig bandenmäßig organisierten Tätern, die häufig gleich mit Lastwagen anrücken, geht es bei ihren Beutezügen vor allem um Kupfer. Der Preis für den Rohstoff ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen, derzeit wird eine Tonne für rund 6500 Euro gehandelt.