In Deutschland gibt es rund 17 Millionen Arbeitnehmer, dieüber ihren Arbeitgeber in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen, sagt der Experte für Alterssicherung, Prof. Bernd Raffelhüschen. Halte das Zinstief an, müssten sich die Arbeitnehmer in Zukunft auf geringere Erträge aus der Betriebsrente einstellen. Die jährliche Wertentwicklung eines typischen Portfolios einer Pensionskasse würde innerhalb der nächsten fünf Jahre um mehr als ein Drittel zurückgehen. Zurzeit erzielten die Kassen noch eine Verzinsung von durchschnittlich rund vier Prozent pro Jahr.

Viele Unternehmen haben ihren Mitarbeitern bei Abschluss der Altersvorsorge Garantiezinsen zugesagt. Zusagen von fünf Prozent und mehr seien in der Vergangenheit nicht ungewöhnlich gewesen. Nun sei es fraglich, wie die Firmen diese Verpflichtungen künftig einhalten könnten.

Von der Höhe der Rendite für das angesparte Geld hängt es ab, wie viel im Ruhestand ausgezahlt wird. Legt eine Firma über 30 Jahre jeden Monat 100 Euro für seinen Mitarbeiter zurück, beläuft sich die spätere Monatsrente bei fünf Prozent Rendite auf etwa 530 Euro. Sinkt der Zinssatz für die Geldanlage auf vier Prozent, reduziert sich das spätere monatliche Ruhegeld auf rund 410 Euro. Der Verlust beträgt in 20 Jahren 28 800 Euro.

Wie bei allen Sozialkassen - etwa der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung - ist vorgeschrieben, Beiträge und andere Rückstellungen nur konservativ anzulegen. Dies gilt auch für bestimmte Formen der Betriebsrente. Das Angesparte darf nur über sichere Staatsanleihen Zinsen bringen. Staaten mit einer guten Bonität können wegen der EU-Finanzkrise ihre Papiere zu sehr günstigen Zinssätzen auf dem Kapitalmarkt unterbringen. Was dem Staatshaushalt zuguten kommt, schadet hingegen den Anlegern. Sie erzielen immer geringere Renditen, die sie an ihre künftigen Rentenbezieher weitergeben.

Allerdings haben Betriebsrenten auch Vorteile. Das eingezahlte Geld stammt aus dem Bruttogehalt und schmälert das zu versteuernde Einkommen sowie die Beiträge zur Renten- und Krankenkasse. Zwar verlangt der Staat von Rentnern auch Steuern und Kassenbeiträge. Sie fallen wegen des geringeren Einkommens aber niedriger aus. Experten bezeichnen dies als eine Art Steuerstundung. Sie begünstigt die Höheder Rendite von Vorsorgezahlungen. Dies müssen Beitragszahler berücksichtigen, wollen sie Raffelhüschens Warnung beurteilen.