Glosse Betreutes Twittern mit Seehofer

Bundesinnenminister Horst Seehofer will demnächst auf sozialen Medien seine Meinung sagen – allerdings unter Aufsicht der Pressestelle.
Bundesinnenminister Horst Seehofer will demnächst auf sozialen Medien seine Meinung sagen – allerdings unter Aufsicht der Pressestelle. © Foto: afp/John Macdougall
Berlin / Stefan Kegel 03.09.2018

Was haben die Spötter schon für tolle Twitter-Namen für den Bundesinnenminister erdacht! „@realVollHorst“, „@Heimathofer“ oder „@thehoferhorst“. Alles war bereit für Horst Seehofer, mit seinem eigenen Twitter-Account endlich das in die Welt zu zwitschern, was ihm auf der Seele brennt. Wenn’s pressiert, dann auch nachts, wenn die Social-Media-Abteilung schläft. Dazu wird es nicht kommen. Kein „@HorstSeehofer69“ oder so.

Wie aus dem Bundesinnenministerium verlautet, wird er zwar selbst in die Tasten seines Handys greifen – oder zumindest Tweets diktieren. Aber diese findet man ab Mitte September fein säuberlich inmitten der Bekanntmachungen auf dem Twitter-Kanal seines Ministeriums. Immerhin wird Seehofer mit seinem Kürzel kennzeichnen, welche Tweets von ihm selbst verfasst wurden (das macht sogar FDP-Chef und Twitter-Junkie Christian Lindner so).

Zwangstwitterer wie US-Präsident Donald Trump und Tesla-Erfinder Elon Musk, die gern mit einem Tweet mal eben ein politisches oder wirtschaftliches Beben auslösen, wird er auf diese Weise zwar nicht beeindrucken.

Es ist ein bisschen so, als würde man seinem Opa einen Ferrari schenken und ihn dann nur auf dem Parkplatz fahren lassen. Aber letztlich hat betreutes Fahren genauso wie betreutes Twittern einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Man produziert erheblich weniger Schrott.

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