Ulm / PETER DE THIER  Uhr
Das Einkaufen im Internet hat Vor- und Nachteile. Einen Vorteil - für die Händler jedenfalls - entdecken Amazon und Co. gerade erst für sich: Dass sie nämlich auch zu später Stunde erreichbar sind - also etwa nach einem ausgedehnten Kneipenbesuch.

Kunden, die tief ins Glas geschaut haben, sind für hohe Umsätze gut, und häufig kaufen sie, nun ja, mäßig nützlich Dinge. Das stellen die Händler besonders häufig spät abends fest, vor allem am Ende einer stressigen Arbeitswoche. Wie Marktforscher festgestellt haben, werden freitags und samstags zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens im Internet dreieinhalb Mal so viele Kleider verkauft wie an jedem anderen Wochentag. Damenunterwäsche findet 50 Prozent mehr Abnehmer, und Schuhgeschäfte verdoppeln ihren Umsatz.

Es gibt eine Website, www.drunkmall.com, deren Geschäftsmodell gezielt auf beschwipste Kunden setzt. Das Motto der "Betrunkenen Mall": Sie verkaufen "die Dinge, von denen wir glauben, sie zu brauchen, wenn die Kneipe schließt". Dazu zählen Sonnenbrillen mit einem eingebautem Rückspiegel, aufklappbare Festnetztelefone in Form eines Cheeseburgers und jede Menge T-Shirts mit so obszönen Aufschriften, dass ein nüchterner Mensch sich schwerlich damit in die Öffentlichkeit trauen würde. Katy Lubin, Chefin von Lyst.com, einer auf auf alkoholisierte Kunden spezialisierten Kleiderboutique, hat eine simple Erklärung: "Wenn man einen über den Durst getrunken hat, ist man enthemmt und kauft leichtfertig Sachen, die einem ein gutes Gefühl geben." Und prost.