BERLINER SZENE vom 3. Mai 2014

GHA 03.05.2014

Kein Präzedenzfall

Die Nominierung von Ex-Bildungsministerin Annette Schavan (58) zur künftigen Botschafterin beim Vatikan erregt noch immer die Gemüter. Das Business-Magazin "Berlin Boxx" nannte jetzt die jüngste Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck an die Ulmer CDU-Abgeordnete eine "Provinzposse". Es sei "eine Bankrotterklärung und Ohrfeige für alle Berufsdiplomaten", dass Schavan nach der Aberkennung ihres Doktortitels durch die Uni Düsseldorf "ohne Hochschulabschluss in den höheren Dienst des Auswärtigen Amtes" übernommen werde. Falsch ist allerdings die Behauptung des Magazin, damit werde die Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel "die erste deutsche Botschafterin ohne Hochschulabschluss", wie es auch im "Spiegel" hieß. Rudolf Dreßler, ehemaliger Botschafter in Israel, hatte nach der Volksschule eine Lehre als Schriftsetzer absolviert und war später SPD-Bundestagsabgeordneter sowie Parlamentarischer Staatssekretär im Bonner Sozialministerium.

Mütter und "Mutti"

Der aus Ostdeutschland stammende Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz (70) hat erklärt, wie er den Spitznamen von Bundeskanzlerin Angela Merkel versteht. "Mutti", wie die CDU-Vorsitzende nicht nur von politischen Gegnern bisweilen karikiert wird, ist für Maaz "Ironie, albern, eine versteckte Abwehr". Gerade weil die kinderlos verheiratete Kanzlerin "so unmütterlich ist", eigne sie sich "für die etwas lächerliche Projektion", sagte der bekannte Buchautor ("Die narzisstische Gesellschaft") der "Zeit". Merkel, so analysiert Maaz, der die Regierungschefin nicht persönlich kennt, habe "eine typische Ost-Sozialisation. Das äußere Bild, Kleidung und das Auftreten waren nicht so wichtig. Es galt, sich anzupassen, abzuwarten, vorsichtig zu sein. Das hat Merkel erfolgreich gelernt."

Beschränktes Angebot

Auf Auslandsreisen von Spitzenpolitikern kamen Liebhaber harter alkoholischer Getränke früher uneingeschränkt auf ihre Kosten. An Bord der Flugbereitschaft gab es für Regierungsmitglieder und die sie begleitenden Beamten, Medienvertreter und sonstigen Delegationsmitglieder Schnaps, Whisky oder Cognac gratis. Das hat sich geändert. So strich der ehemalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) Hochprozentiges bei Dienstflügen ganz aus dem Angebot, ebenso hält es Bundespräsident Joachim Gauck. Bei Reisen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Vize Sigmar Gabriel (SPD) gibt es vorerst keine Einschränkung bei Drinks, Westerwelles Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD) lässt erst bei Langstreckenflügen auch harte Getränke an Bord zu.

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