BERLINER SZENE vom 1. September

Vermutlich bald Frau Doktor: Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht.
Vermutlich bald Frau Doktor: Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht.
SWP 01.09.2012

Showdown in Herne

Um die Bundestagskandidatur im Wahlkreis Herne gibt es ein interessantes Ringen. Schon vor geraumer Zeit hatte Michelle Müntefering (32), die dritte Ehefrau des vormaligen SPD-Chefs Franz Müntefering (72), ihre Bewerbung verkündet. Erst sah es nach einem weiblichen Zweikampf gegen die Herner Ratsfrau Anke Hildenbrand aus, doch nun hat auch noch Uwe Knüpfer (57) sein Interesse angemeldet, Chefredakteur der Partei-Zeitung "Vorwärts" und enger Vertrauter von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die einst am Sturz Münteferings beteiligt war. Am 18. September werden die Genossen in Herne die delikate Entscheidung treffen. Falls Michelle Müntefering scheitert, könnte sich ihr Ehemann doch noch einmal überlegen, ob er das Parlament wie angekündigt in einem Jahr verlässt. Ein Bundestag ohne Müntefering scheint schwer vorstellbar.

Bald Frau Doktor

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie die beiden FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis mussten ihre Doktortitel nach Plagiatsvorwürfen abgeben, gegen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) läuft noch ein Prüfverfahren. Doch gibt es auch Nachschub an der Promotionsfront: Sahra Wagenknecht (43), Vizechefin der Linksfraktion im Bundestag und Lebensgefährtin von Oskar Lafontaine, hat ihre Dissertation an der Technischen Universität Chemnitz eingereicht. Thema: "Die Grenzen der Wahl. Sparentscheidungen und Grundbedürfnisse in entwickelten Ländern." Dass sich die Literaturwissenschaftlerin und Philosophin inzwischen als Ökonomin einen Namen macht, hat sie bereits mit mehreren Büchern ("Freiheit statt Kapitalismus", "Kapitalismus im Koma") bewiesen. Selbst konservative Kritiker bescheinigten der Kommunistin: "Alles sehr lesenswert."

Zwei bleiben

Mit Wolfgang Thierse (68) und Hans-Ulrich Klose (75) verlassen zwei SPD-Veteranen am Ende der Wahlperiode den Bundestag. Dagegen wollen zwei prominente CDU-Parlamentarier noch bleiben: Sowohl Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (69) als auch Ex-Forschungsminister Heinz Riesenhuber (76) treten wieder an. Schon bei der Konstituierung des Bundestages im November 2009 fungierte Riesenhuber als Alterspräsident. gha