Kommentar Martin Hofmann zum Glyphosat-Verbot Bei Glyphosat Bauern in die Pflicht nehmen

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Martin Hofmann 17.04.2018

Überall lässt sich Glyphosat nachweisen: in Pflanzen, Tieren, Böden, Flüssen, Nahrungsmitteln und menschlichem Urin. Es handelt sich meist um geringste Mengen. Doch das Pestizid ist ubiquitär, taucht überall auf. Der Grund dafür: In Deutschland werden jährlich zwischen 4000 und 5000 Tonnen des Unkrautvernichters versprüht, auf 39 Prozent der Ackerfläche, an Bahndämmen,  an Straßenrandstreifen, seltener in Privatgärten.

Das Problem: Glyphosat steht unter Verdacht, möglicherweise seltene Krebsarten auszulösen. Das zeigen seriöse toxikologische wie epidemiologische Studien. Nach jüngsten Erkenntnissen könnte das Risiko noch gravierender sein, weil die Chemikalie auch auf das Nervensystem wirkt.

Deshalb hat die neue große Koalition vereinbart, das Ausbringen des Pflanzenschutzmittels so rasch wie möglich einzudämmen und letztlich zu beenden. Nun wollen Agrarministerin Julia Klöckner und ihre Umweltkollegin Svenja Schulze einen Reduktionsplan vorlegen. Kommunen und Privatgärtnern das Unkrautgift aus der Hand zu nehmen, dürfte nicht reichen. Die Damen müssen sich mit dem Bauernverband anlegen, um eine nennenswerte Tonnage einzusparen. An erster Stelle steht die Sikkation, das Totspritzen der Nutzpflanzen kurz vor der Ernte. Landwirte erreichen dadurch einen besseren Preis für ihre Erzeugnisse. Das Wegspritzen von Unkräutern vor der Saat hat für die Bauern mit deutlich höherem Aufwand zu tun. Man darf daher gespannt sein, mit welchen Mitteln und Instrumenten die Ministerinnen die mächtige Agrarszene von ihren Plänen überzeugen wird. Ohne eine Art von Kompensation dürfte das Vorhaben kaum durchzusetzen sein.

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