Die geplante Rückkehr zum Schulbetrieb ohne Abstandsregeln stößt bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf Unverständnis.

„Runder Tisch“ mit allen Beteiligten

In allen Branchen gelte weiter die Abstandspflicht von 1,5 Metern. Dazu komme die Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr und in Geschäften. In den Schulen sollten die Schutzmaßnahmen aber aufgegeben werden, kritisierte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann am Mittwoch. Die Bildungsgewerkschaft forderte einen „runden Tisch, an dem Politik, Gewerkschaften, Eltern- und Schülervertretungen sowie Mediziner zusammenkommen und über Lösungswege entscheiden“.

Spahn: Regelbetrieb nach den Sommerferien

Vertreter einzelner Bundesländer haben inzwischen mehrfach ihre Absicht geäußert, nach den Sommerferien an den Schulen wieder in den Normalbetrieb zurückzukehren., unter anderem die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Stefanie Hubig (SPD). An Grundschulen ist diese in einigen Bundesländern bereits aufgehoben und es wird wieder im Klassenverband unterrichtet. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich am Mittwoch offen für weitgehende Öffnungen im Bildungsbereich nach dem Sommer. „Wenn sich das Infektionsgeschehen so fortsetzt über den Sommer, kann auch nach den Sommerferien der Regelbetrieb in Kitas und Schulen wieder starten“, sagte er dem Nachrichtenportal „The Pioneer“.

Konkrete Leitlinie für Kitas und Schulen ausarbeiten

Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte am Mittwoch konkrete Leitlinien für Kitas und Schulen nach dem Sommer. Sie müssten vorbereitet sein, falls es im Herbst zu erneuten lokalen oder regionalen Infektionsgeschehen komme, sagte sie nach einem Fachgespräch mit Experten aus dem Bildungsbereich, der Medizin und mit Gewerkschaftsvertretern. „Dafür müssen wir gerüstet sein, um nicht noch mal in eine Situation des völligen Chaos zu starten.“
Neben der GEW äußern auch Lehrerverbände Bedenken beim Thema Rückkehr zum Normalbetrieb. Der Deutsche Lehrerverband plädiert in diesem Fall für eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Der Deutsche Philologenverband fordert zumindest zwei Mal wöchentlich Corona-Reihentests für Schüler und Lehrer.