Leitartikel Bayern treibt starkes Weltraumprogramm voran

Matthias Puddig
Matthias Puddig © Foto: Thomas Koehler/photothek
München/Berlin / Mathias Puddig 04.10.2018
Bayerns Weltraumprogramm zeugt von Mut und dem richtigen Ansatz, in Spitzenforschung zu investieren.

Natürlich mutet das alles bizarr an: dieses Logo mit dem übergroßen Kopf von Markus Söder; der großspurige Name „Bavaria One“, als wäre ausgerechnet den Konservativen keine deutschsprachige Bezeichnung für ihr Programm eingefallen. Und vor allem der Zeitpunkt: Die Wahl in Bayern findet in weniger als zwei Wochen statt, da stellt das Kabinett mal eben 700 Millionen Euro bereit, damit die bayerischen Wähler davon träumen können, schon bald das All zu erobern. Diese ganze Söder-Show ist zweifelsohne dem Landtagswahlkampf geschuldet. All die Kritiker, die „Bavaria One“ jetzt lächerlich machen, haben das durchschaut. Falsch liegen sie trotzdem.

Investitionen in die Forschung

Denn wer einen Blick hinter den Vorhang dieses grotesken Söder­-Wahlkampf-Theaters wirft, der findet dort ein Programm, auf das andere Bundesländer wirklich neidisch sein können. „Bavaria One“ setzt zumindest ein bisschen von dem um, was sonst nur in Sonntagsreden versprochen wird: Ständig hört man, dass ein Land fast ohne Rohstoffe in seine Köpfe investieren muss. Bayern macht das. Immer wieder wird von Politikern verlangt, zuversichtlich nach vorn zu blicken und auch mal große Würfe zu wagen. „Bavaria One“ ist eine solches Wagnis – und die Chancen stehen gut, dass diese Wette auf die Zukunft aufgeht. Nicht ohne Grund bemühen sich ja auch andere Standorte um Forschung und Wissenschaft.

Wenn das Land jetzt Geld für die Spitzenforschung ausgibt, dann begünstigt es Unternehmensansiedlungen, schafft Arbeitsplätze und sichert Wohlstand. Anders als die anderen kann Bayern sich das leisten. Juso-Chef Kevin Kühnert irrt deshalb, wenn er dem Ministerpräsidenten vorwirft, die Prioritäten falsch zu setzen. Investitionen in Forschung schließen Mittel für den sozialen Wohnungsbau und gebührenfreie Kitaplätze ja nicht aus. Im Gegenteil: Sind sie gut angelegt, können sie dafür sorgen, dass auch in Jahrzehnten noch sozialer Wohnungsbau und Gratis-Kita möglich sind.

Und „Bavaria One“ kann sogar noch mehr: Wenn im Rahmen des Raumfahrtprogramms tatsächlich erfolgreich geforscht wird, dann haben wir alle etwas davon. Gelänge es, die Satellitentechnologie weiterzuentwickeln, würden Navigationssysteme präziser und Bauern könnten Düngemittel gezielter einsetzen. Gelänge es, die Quantentechnologie voranzutreiben, wäre das ein Riesenschritt fürs automatisierte Fahren. Und gelänge es, den Hyperloop zur Marktreife zu bringen, käme das einer Revolution des Transportwesens gleich. Söder-Konkurrentin Natascha Kohnen von der SPD weiß das ganz genau. Sie ist selbst Naturwissenschaftlerin und hat lange mit Schwefelbakterien gearbeitet, ohne zu wissen, ob ihre Forschung jemals zu Resultaten führt. Kohnens Kritik an „Bavaria One“ ist deshalb auch auffällig zurückhaltend – zurecht! Kein Politiker würde sich beklagen, wenn das nächste Google wirklich aus Deutschland käme. Doch das braucht die richtigen Rahmenbedingungen. Bayern bemüht sich, diese zu schaffen.

leitartikel@swp.de

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