Ansbach Bayern sieht bei Bombenanschlag islamistischen Hintergrund

DPA 26.07.2016
Es wäre das erste islamistische Selbstmordattentat in Deutschland, wenn sich der Verdacht in Ansbach bestätigt. Die Terrormiliz IS reklamiert die Tat für sich.

Das Bombenattentat im fränkischen Ansbach mit 15 Verletzten ist nach Erkenntnissen der Ermittler der erste islamistische Selbstmordanschlag in Deutschland. Darauf deuteten die Umstände der Tat eines syrischen Flüchtlings hin, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Das Internet-Sprachrohr Amak der Terrormiliz IS bezeichnete den Täter als „Soldat des Islamischen Staates“.

Es war die dritte Bluttat in Bayern innerhalb einer Woche. Er verstehe die Sorgen der Bevölkerung, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Er mahnte zugleich Besonnenheit und warnte vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Die ganz große Mehrheit komme nach Deutschland, um hier in Frieden zu leben.

Herrmann sagte zu einem Bekennervideo des 27-jährigen Syrers: „Die Polizei hat bei der Auswertung der Handys, die bei dem Täter gefunden worden sind, unter anderem eine Videoaufnahme entdeckt, in der sich der Täter klar zum islamistischen Kampf bekennt und auch ankündigt, dass er mit einem Anschlag sich an Deutschen rächen will.“ Es sei für ihn „klar, dass es ein Anschlag mit islamistischem Hintergrund ist. Ob der Täter selbst einen unmittelbaren Kontakt zum IS hatte, sei noch Gegenstand der Ermittlungen. Der mutmaßliche Täter hatte am Sonntagabend bei einem Musikfestival einen Sprengsatz gezündet und sich damit selbst getötet. Er habe die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack bei dem Fest mit etwa 2500 Besuchern zünden wollen. Durch die Explosion am Eingang waren nach Polizeiangaben 15 Menschen verletzt worden.

Eine erste Auswertung habe auch ergeben, dass der Mann Gewaltvideos mit islamistischer Ausrichtung und salafistischem Inhalt hatte, sagte Herrmann. Bei der Durchsuchung seiner Asylunterkunft sei eine Fülle von Materialien gefunden worden, die zum Bau weiterer Bomben geeignet gewesen wären. Laut Herrmann war der Mann vor kurzem erneut aufgefordert worden, Deutschland innerhalb von 30 Tagen Richtung Bulgarien zu verlassen. Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, Bayern erlebe „Tage des Schreckens“, nachdem am Montag vergangener Woche ein afghanischer Flüchtling bei Würzburg eine Axt-Attacke begangen hatte und am Freitag bei einem Amoklauf in München neun Menschen getötet wurden.

 

Mit kühlem Kopf

Würzburg. München. Reutlingen. Ansbach. Vier Städte, vier Bluttaten innerhalb einer Woche. Vier unterschiedliche Männer, vier Motive und eine Reaktion: ein Schock, der sich langsam in Wut verwandelt.

Die Angst und die Wut sind verständlich. Die Täter treffen Deutschland dort, wo es am alltäglichsten ist: im Regionalzug, im McDonald’s, im Stadtzentrum, beim Open-Air-Konzert.

Doch Angst und Wut sind schlechte Ratgeber. Die Kette der vier Bluttaten darf nicht den Blick verstellen auf das, was sie vereint – alle Täter waren männlich, drei von ihnen waren Flüchtlinge. Doch noch weniger darf der Schock den Blick für die nüchterne Analyse trüben. Dazu gehört auch, die Unterschiede zwischen den Taten zu betrachten. Der Amokläufer von München orientierte sich, wenn er ein politisches Motiv hatte, an dem Rechtsextremen Anders Breivik, der vor fünf Jahren in Norwegen mordete. Der Syrer, der in Reutlingen eine Frau erstach, handelte wahrscheinlich aus persönlichen Motiven. Bleiben zwei Attentäter mit IS-Verbindungen. Hier ist eine schonungslose Analyse nötig: Wie radikalisierten sie sich? Wie lange gab es schon IS-Verbindungen? Wie können andere potenzielle Täter aufgespürt werden?

Noch schlechtere Ratgeber als die Wut sind nur jene Hetzer, die mit kühlem Kalkül versuchen, die Attentate für ihre eigenen politischen Zwecke auszuschlachten und dabei gegen alle Moslems hetzen. Setzen wir ihnen einen kühlen Kopf entgegen.