Kommentar Baukindergeld soll eingeschränkt werden

Redakteur Thomas Block ist sicher, dass der Finanzminister der CSU eines auswischen wollte.
Redakteur Thomas Block ist sicher, dass der Finanzminister der CSU eines auswischen wollte. © Foto: NBR
Berlin / Thomas Block 25.06.2018
Die geplanten Einschränkungen für das Baukindergeld sind kontraproduktiv, meint Thomas Block.

Es gibt wenig Dinge, die so irrational sind wie der deutsche Immobilienmarkt. In Stuttgart, München, Frankfurt kostet eine 30-Quadratmeter-Wohnung so viel wie ein großzügiges Mehrfamilienhaus mit großem Garten in Sachsen-Anhalt oder im Ruhrgebiet. Wenn es nach Finanzminister Olaf Scholz (SPD) geht, bekommt eine dreiköpfige Familie nun für den Kauf der 30-Quadratmeter-Wohnung in der Stuttgarter Innenstadt eine staatliche Förderung, für das Haus in Sachsen-Anhalt hingegen nicht, wenn es mehr als 120 Quadratmeter Wohnfläche hat. Hinsichtlich der absurden Verhältnisse auf dem deutschen Immobilienmarkt ist das absurd. Mehr noch: Es ist grundfalsch.

Denn wenn man dem Baukindergeld etwas abgewinnen kann, dann, dass es Wohnraum aus den Ballungszentren in schwächer besiedelte Regionen verlagern könnte. Familien mit mittlerem Einkommen, die sich für ein Eigenheim entscheiden, werden das nicht in den teuren Metropolen bauen. Sie werden zurück in die Gegenden ziehen, die bislang unter der Abwanderung in die Ballungszentren litten. Die Bevölkerung verteilt sich wieder auf die Fläche, es entsteht neuer Wohnraum, der Mietmarkt entspannt sich. Man kann von dem Baukindergeld halten, was man möchte, aber wenn der Plan aufgeht, ist die Förderung auch eine Maßnahme gegen die Wohnungsnot in Deutschland und für die Wiederbelebung des ländlichen Raums. Die Deckelung der Quadratmeterzahl ist da kontraproduktiv.

Man kann davon ausgehen, dass der Finanzminister der CSU eines auswischen wollte. Das Baukindergeld ist deren Herzensprojekt. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen.

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