Natur Bauern und Jäger fordern Wolfsjagd

Wolfsgegner: Unter dem Motto „Weidetiere statt Wolfsreviere“ protestierten zu Wochenbeginn rund 250 Bauern in München.
Wolfsgegner: Unter dem Motto „Weidetiere statt Wolfsreviere“ protestierten zu Wochenbeginn rund 250 Bauern in München. © Foto: dpa
Berlin / Henning Kraudzun 05.10.2017
Agrarverbände und Jägerschaft fordern von der Politik ein Ende der „Wolfsromantik“ in Deutschland. Sie wollen die Population eindämmen.

Angesichts der zunehmenden Angriffe von Wölfen auf Weidetiere nimmt der Druck auf die Politik zu, die Bestände zu regulieren. Bei einer Fachtagung am Mittwoch in Berlin machten Experten deutlich, dass die Tiere trotz der strengen EU-Richtlinien bejagt werden können. Die Zahl der Tiere wird in Deutschland auf 600 geschätzt. Die Population der Wölfe verdopple sich alle drei Jahre.

 Vor allem in Brandenburg ist die Zahl der nachweislich durch Wölfe getöteten Nutztiere in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Wurden im Jahr 2013 noch 48 Fälle registriert, waren es im vergangenen Jahr bereits 244. Die uneingeschränkte Ausbreitung der Wölfe in Deutschland müsse daher gestoppt werden, erklärte  Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. Die Umweltverbände sollten aus seiner Sicht ihre „Wolfsromantik“ aufgeben.

Der Bauernverband fordert neben einer gesetzlichen Definition geeigneter Lebensräume auch eine Regulierung der Bestände. Vor allem fehlt aus Sicht des Verbandes ein effektives Wolfsmanagement.

Künftig führe an gezielten Abschüssen von Wölfen kein Weg vorbei, sagte Jürgen Hammerschmidt, Vorsitzender der Jagdgenossenschaften in Deutschland. In Ländern wie Schweden, Finnland und Frankreich werde das bereits erfolgreich praktiziert – europaweit gelten jedoch unterschiedliche Regeln. „Unsere Jäger verfügen über geeignete Waffen – und sie kosten den Staat kein Geld“, so Hammerschmidt.

Für eine Regulierung hatte kürzlich auch Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) plädiert und sich in einem Schreiben an die EU-Kommission um Änderungen beim strengen Schutzstatus der Wölfe bemüht. Brandenburg arbeitet dagegen an einer neuen Wolfsverordnung, in der unter anderem der Umgang mit Problemtieren geregelt werden soll. „Die Situation spitzt sich immer weiter zu“, so der Vorsitzende der Umweltministerkonferenz, Jörg Vogelsänger (SPD). Die Abläufe zur Vergrämung oder Tötung einzelner Tiere sollten für Behörden „klar abgesteckt“ werden. Allerdings lasse sich das Jagdrecht bei Wölfen nicht anwenden, so der brandenburgische Politiker. Zumindest wollen die deutschen Umweltminister bei ihrem Treffen im November neue Maßstäbe festlegen: So soll definiert werden, wann die Wolfspopulation stark genug ist, um sie begrenzen zu können.

Zu einer anderen Bewertung kommt Michael Brenner, Experte für europäisches Recht an der Universität Jena. „Eine selektive Jagd auf Wölfe verstößt nicht gegen die Artenschutzrichtlinien“, sagt der Jurist. Dies gelte vor allem dann, wenn Menschen oder Eigentum bedroht seien. Der Naturschutzbund lehnt diese Forderungen ab. Es gebe keine Notwendigkeit, am Schutz der Wölfe zu rütteln, so eine Sprecherin.

Begegnungen mit Wölfen häufen sich

Wölfe gelten eigentlich als scheu. Dennoch gibt es zunehmend Situationen, bei denen die Raubtiere dem Menschen nahe kommen. So wurden kürzlich zwei Jäger im sächsischen Hoyerswerda von Wölfen  verfolgt. In Niedersachsen flüchtete Anfang Januar eine Joggerin vor einem Wolf - und rettete sich auf einen Traktor. Zu einem Angriff auf Menschen kam es seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland jedoch nicht.