Leitartikel Thomas Veitinger zur Produktion von Batterien für E-Autos Batterietechnik: Uneinholbares Asien

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Ulm / Thomas Veitinger 27.08.2018

Läuft die Uhr auf dem Nachttisch nicht mehr, geht man in den nächsten Supermarkt und kauft sich eine neue Batterie. Was soll daran so schwierig sein? Warum machen es Autobauer mit ihren Elektroautos nicht auch so? Warum wird jahrelang der Sinn eigener Batterie-Werke diskutiert? Die Antwort: Daimler, BMW, VW und Co. kaufen natürlich nicht im Supermarkt ein, sondern bei Spezialanbietern – in Asien. Das macht aber die Autobranche abhängig und gefährdet die zuverlässige Produktion von E-Autos, auf die Industrie, Politik und Gesellschaft große Hoffnungen setzen. Wäre es deshalb richtig, hierzulande eine eigene Produktion hochzuziehen? Nein, wäre es nicht, dafür liegt Deutschland zu weit zurück.

Nein zur Eigenproduktion des Herzstücks der Batterie, der Batteriezelle, sagen Daimler – und Bosch. Der Autozulieferer hat viele Monate lang Vor- und Nachteile abgewogen und kam zum Ergebnis, dass 20 Milliarden Euro dafür nötig wären und ein zu hohes Risiko darstellten. Daimler hat sich sogar schon einmal an der Batteriezellen-Produktion versucht – und wieder verabschiedet. Deutschland fehlen Know-how, billiger Strom, leichter Zugang zu Rohstoffen, preiswerte Produktionsmöglichkeiten.

Wie wichtig die Diskussion ist, zeigt ein Blick unter die Haube eines Elektroautos. Dort sieht es aufgeräumt aus, viele Kabel sind zu sehen. Der Verbrennungsmotor, Kernstück von Diesel und Benzinern und Glanzstück deutscher Ingenieurskunst, fehlt natürlich. Die Batterie dagegen dürfte in Zukunft bis zu 40 Prozent der Wertschöpfung eines Autos ausmachen. Das heißt, sie ist extrem wichtig. Die deutschen Autobauer kündigen riesige Investitionen in Elektro- und Wasserstofffahrzeuge an, für die massenhaft Batterien nötig werden. Dabei machen sie sich von Südkoreanern, Chinesen und Japanern abhängig, die – Verträge hin oder her – entscheiden könnten, wann sie welchen Kunden weltweit beliefern.

Dies beunruhigt auch die Politik. Vor allem, nachdem der chinesische Hersteller CATL in Deutschland eine entsprechende Fabrik baut und E-Autobauer Tesla dies nicht ausschließt. Die EU betont, dass eine solche Schlüsselkomponente nicht den asiatischen Herstellern überlassen werden sollte und hat einen Aktionsplan beschlossen, der verstärkte Förderung und besseren Zugang zu Rohstoffen beinhaltet. Deutsche Politiker sowohl im Bund als auch in Baden-Württemberg wollen helfen. Allein – die Fördersumme von 80 Millionen Euro, die im Gespräch ist, reicht bis weitem nicht an die drei Milliarden Euro heran, die etwa Continental veranschlagt.

Muss es auch nicht. Denn bedeutsamer als die aktuellen Lithium-Ionen-Batterien, bei denen  Deutschland einen jahrelangen Rückstand hat, sind künftige Batteriegenerationen. Zwar sind Lithium-Ionen-Speicher wohl noch Jahrzehnte wichtig. Aber so genannten Festkörper-Batterien gehören die Zukunft. Sie sind kleiner, effizienter und sicherer. Wer in ihre Erforschung einsteigt und sich vielleicht sogar einen Vorsprung herausarbeitet, dürfte auch in Zukunft vorne liegen. Die Letzten könnten die Ersten sein.

leitartikel@swp.de

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