Madrid Baby for President

Junger Besuch: Carolina Bescansa von Podemos (r.) mit Baby und Kollege.
Junger Besuch: Carolina Bescansa von Podemos (r.) mit Baby und Kollege. © Foto: dpa
Madrid / MARTIN DAHMS 14.01.2016
Irgendjemand fand, dass man sich auch zu ernsten Anlässen einen Jux erlauben darf.

Bei der Abstimmung über den neuen spanischen Parlamentspräsidenten gab am Mittwoch im zweiten Wahlgang einer der Abgeordneten einen Stimmzettel ab, auf den er von Hand geschrieben hatte: "Das Kind von Bescansa" Eine ungültige Stimme. Aber viel Gelächter. "Das Kind von Bescansa" heißt Diego, ist fünf Monate alt und war der Protagonist des Tages, der alle anderen in den Schatten stellte.

Mitgebracht ins Parlament hatte ihn Carolina Bescansa, die Kandidatin der Linkspartei Podemos für das Amt der Parlamentspräsidentin. Es war das erste Baby im spanischen Parlament und wurde gleich unter den Podemos-Abgeordneten von Arm zu Arm gereicht, sehr süß, aber für manche anstößig. "Ein schlechtes Beispiel, nicht nötig", fand die Sozialistin Carme Chacón, die einst als Verteidigungsministerin hochschwanger in Afghanistan ihre Truppen besucht hatte. Der amtierende Innenminister Jorge Fernández Díaz schimpfte über "die Instrumentalisierung von Kindern für politische Zwecke". Und spanische Feministinnen fragten, ob sich denn nicht der Vater kümmern könne.

Bescansa verteidigte sich: Ihr Kleiner brauche noch die Brust. Gewählt wurden schließlich weder sie noch ihr Kind, sondern der Sozialist Patxi López. Diego ertrug es schweigend.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel