Verkehr Autonotruf-System wird Pflicht

Ab April müssen alle Neuwagen in der EU ein solches Notrufsystem haben.
Ab April müssen alle Neuwagen in der EU ein solches Notrufsystem haben. © Foto: dpa
Berlin / Michael Gabel 02.01.2018
Viele Fahrzeuge sind schon mit einem Autonotruf-System ausgerüstet. Von April an sind diese EU-weit Pflicht.

Fahrzeuge werden immer mehr zu Computern auf Rädern: Vom 1. April an müssen in der EU sämtliche Neuwagen mit einem Autonotruf-System ausgestattet sein. Es alarmiert bei einem Unfall automatisch die Rettungsdienste und lotst sie zum richtigen Ort. Brüssel möchte so die Zahl der Verkehrstoten weiter senken. Das bordeigene Notrufsystem mit dem Namen eCall wird beispielsweise aktiv, wenn bei einem Unfall der Airbag zum Einsatz kommt. Ohne Zeitverzögerung gehen Informationen über Fahrzeugtyp, Treibstoff, Fahrzeugposition und Insassenzahl an die Rettungsdienste. Zudem wird über die Notrufnummer 112 eine Sprechverbindung zwischen Leitstelle und Unfall­opfern hergestellt.

Das Notrufsystem ist für die Bürger aller 28 EU-Länder kostenlos. Die Fahrzeugindustrie rechnet mit Kosten von weniger als 100 Euro, die nötig sind, um die Fahrzeuge – im Gesetz werden Pkw und kleine Nutzfahrzeuge mit bis zu 3,5 Tonnen genannt – mit der Technik auszurüsten. Wer keinen Neuwagen hat, dem wird aus Brüssel empfohlen, sein Fahrzeug mit einem solchen System nachzurüsten. Die EU will mit dem Notrufsystem die Zahl der Verkehrstoten um zehn Prozent senken. Derzeit sterben auf den Straßen der Mitgliedsstaaten jährlich etwa 25.000 Verkehrsteilnehmer.

Datenschützer sehen den Autonotruf kritisch. Die Betreiber des „Netzpolitik“-Blogs sehen in ihm eine „Blackbox mit Ortsüberwachung“ und bemängeln, dass das System nicht abgeschaltet werden kann. Die EU verweist darauf, dass eine Abschaltmöglichkeit dem Sinn des Autonotrufs widerspreche, der sicherstelle, dass das Fahrzeug im Falle eines Unfalls jederzeit gefunden werden könne. Eine permanente Ortsüberwachung sei nicht möglich, da nur die letzten drei Positionen des Wagens gespeichert würden. Schleswig-Holsteins Ex-Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert sieht dennoch die Gefahr, dass die Technologie nicht zu kontrollieren ist und Einfallstor für Unternehmen sein könnte, die die Daten für ihre Zwecke nutzen könnten.

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