Hannover Aus für das Zigeunerschnitzel wegen Diskriminierung?

Hannover / HENNING PETERSHAGEN 11.10.2013
Die Stadt Hannover streicht das "Zigeunerschnitzel" von den Speisekarten ihrer Gaststätten. Was bedeutet das für das "Jägerschnitzel"?

Im Hannover-Congress-Centrum und in der Kantine des hannoverschen Rathauses wird es künftig kein Zigeunerschnitzel mehr geben. Wie aus einer Meldung des Evangelischen Presse-Dienstes epd hervorgeht, soll damit eine Diskriminierung beendet werden. Wird stattdessen künftig ein "Sinti-und-Roma-Schnitzel" serviert?

Es könnte freilich um einen ganz anderen Aspekt gehen. Was Deutschen gar nicht mehr auffällt, Ausländern aber barbarisch und Kannibalen geradezu himmlisch erscheinen muss: Die deutsche Speisekarte offeriert in einer Reihe mit Schweineschnitzeln und Kalbschnitzeln zarte Kinderschnitzel, zähe Seniorenschnitzel sowie Jägerschnitzel und eben die beliebten Zigeunerschnitzel.

Mit Fug und Recht könnte man in solchen Begriffen die Diskriminierung ganzer Bevölkerungsgruppen erkennen. Es wäre demnach an der Zeit, dass auch die Landesjagdverbände, der Kinderschutzbund sowie die Senioren- und Rentner-Lobby endlich ihre Stimmen erheben, um die Jäger, Kinder und Senioren von den Menüs zu tilgen.

Eine solche Forderung ginge aber von der falschen Voraussetzung aus, dass Sprache logisch ist. In der Gaststätten-Terminologie geht ohnehin alles durcheinander. So weiß man nie so recht, worauf sich die kombinierten Speisenamen beziehen: Bezeichnet das Wort "Burgunderbraten" analog zum Rinderbraten einen gebratenen Burgunder? Oder einen Braten auf Burgunder Art? Oder einen Braten, der in Burgunder Wein schwimmt? Und worauf muss man schlimmstenfalls nach dem Bestellen eines "Pariser Schnitzels" gefasst sein?

Tatsächlich können solche Wortkombinationen dreierlei meinen: a) vom (Schweineschnitzel = Schnitzel vom Schwein), b) für (Kinderschnitzel = Schnitzel für Kinder) und c) nach Art (Jägerschnitzel = Schnitzel nach Jäger-Art). Nach dem dritten Modell funktioniert auch das Zigeunerschnitzel, das mit Paprika zubereitet wird und daher früher mit Assoziationen wie heißblütig und temperamentvoll verbunden war, die das operettenhafte Klischee der Zigeunerromantik bedienten. Und da kann ein Sinti-und-Roma-Schnitzel beim besten und politisch korrektesten Willen nicht mithalten.

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