Canberra Aufarbeitung der Ursachen für Missbrauch ist nicht erledigt

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Canberra / Elisabeth Zoll 16.12.2017
Der Druck auf die Kirche bleibt, sich den Ursachen für Kindesmissbrauch zu stellen. Der Pflicht-Zölibat für Priester ist ein Ansatzpunkt, meint Elisabeth Zoll.

Der Abschlussbericht der  staatlichen Missbrauchskommission in  Australien verstärkt den Druck auf die katholische Kirche, sich den Ursachen der Verbrechen an Kindern zu stellen. Zu einer der insgesamt 189 Handlungsempfehlungen  zählt, den Pflichtzölibat für Priester abzuschaffen.  Das gibt der Debatte über die Beschaffenheit des Priesteramtes neuen Schwung.

Kindesmissbrauch hängt nicht am Zölibat. Sonst dürfte es diese Verbrechen im familiären Umfeld – und das ist für Kinder die gefährlichste Zone – nicht geben.  Auch Vereine und Internate müssten frei sein von sexuellen Gewalttaten. Und doch ist der Zölibat eine Lebensform, der nicht jeder Priester gewachsen ist – und sei er noch so motiviert und reich mit seelsorgerischen und theologischen Gaben ausgestattet. In manchen Ländern verschafft die Ehelosigkeit Priestern zwar Handlungsfreiraum, sich ohne Angst um Frau und Kinder für Unterdrückte oder Verfolgte einzusetzen – und damit zur Zielscheibe von Verbrecherkartellen und Potentaten zu werden. Doch als lebenslanger Zwang birgt der Anspruch Gefahren.

Die Weltkirche ist in erster Linie auf Menschen angewiesen, die sich aus christlichem Verständnis einsetzen für andere. Seien sie nun verheiratet oder nicht. Das wirkt der gefährlichen Versuchung entgegen, das Priesterbild unmenschlich zu überhöhen. Darüber hinaus braucht die Kirche mehr Offenheit in ihren Strukturen. Geschlossene Systeme sind ein Risiko für Kinder. Denn Opfer finden in diesen Konstrukten oft kein Gehör. Die katholische Kirche hat in den vergangenen Jahren manches in die Wege geleitet. Abgeschlossen ist die Aufgabe aber noch nicht.

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