Diese Nachricht wird viele Städte und Autofahrer freuen: Werden die Grenzwerte für Stickoxid nur um wenige Mikrogramm überschritten, folgen Fahrverbote nicht zwingend. Berlin, Aachen, Essen und viele andere Kommunen dürften davon profitieren, denn der Spielraum für den Emissionsausstoß wird größer. Doch gelöst ist das Schadstoff-Problem damit noch lange nicht. Es ist aufgeschoben. Und noch viel schlimmer: Die Entscheidung ist gefährlich.

Zum einen stellt die EU Kommission damit ihre eigene Autorität infrage. Brüssel suggeriert den Ländern, dass sie sich die Umwelt so zurechtbiegen können, wie es ihnen gerade passt. Mit dieser Strategie schadet die EU nicht nur sich selbst. Sie spielt auch mit der Gesundheit der Bürger. Die Durchschnittswerte beruhen auf – wenn zuletzt auch stark diskutierten – wissenschaftlichen Untersuchungen. Stickoxide sind nachweislich gesundheitsschädigend. Sie sorgen für Atemwegserkrankungen, Allergien und Herzprobleme. Wenn nun mehr Schadstoffe zugelassen sind, geht das auf Kosten der Menschen.

Die Hoffnung der EU und der Bundesregierung liegt darin, dass Kommunen mehr Zeit gewinnen, ihre Diesel-Busflotten umzurüsten oder den Nahverkehr auszubauen. Ob das aufgeht, ist fraglich: Die Städte bemühen sich zwar, voranzukommen, doch selbst unter dem Druck der Fahrverbote stoßen sie an Grenzen. E-Busse können nicht geliefert werden, weil deutsche Hersteller sich schwer tun mit der Produktion. Der ÖPNV ist vielerorts am Limit und braucht Milliarden, um Kapazitäten zu schaffen. Wer glaubt, dass laschere Grenzwerte helfen, diese Probleme zu lösen, hat die vergangenen Monate verschlafen.