Öffentlicher Dienst Jede vierte Frau Opfer von sexueller Belästigung

Berlin / Dieter Keller 31.08.2018
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz? Der öffentliche Dienst ist kein Vorbild. In einer Umfrage klagt jede vierte Frau.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kommt in Behörden genauso häufig vor wie in der Privatwirtschaft. Jede vierte Frau hat sie schon selbst erlebt, dagegen nur sechs Prozent der Männer, ergab eine Forsa-Umfrage unter 1000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und ebenso vielen aus der Privatwirtschaft.

Der Chef des Beamtenbundes (DBB), Ulrich Silberbach, in dessen Auftrag die Umfrage entstand, ist enttäuscht: Er hatte erwartet, dass der öffentliche Dienst besser abschneidet. Gibt es doch jede Menge Frauenbeauftragte und andere Maßnahmen gegen Diskriminierung. Die Führungskräfte in Betrieben und Dienststellen müssten intensiv für die Prävention von sexueller Gewalt fortgebildet werden, forderte Silberbach. Forsa-Chef Manfred Güllner führt den hohen Anteil auch darauf zurück, dass die Sensibilität für das Thema durch die MeToo-Debatte über Sexismus und Missbrauch gestiegen sei.

Nur die Hälfte wehrt sich

Frauen unter 30 klagen besonders häufig über sexuelle Belästigung oder sexistisches Verhalten. Nur knapp die Hälfte der Betroffenen wehrt sich dagegen. Die meisten wenden sich direkt an die Person, 43 Prozent an ihren Vorgesetzten. Bei der Frage, ob die sexuelle Belästigung in den letzten fünf Jahren schlimmer wurde, sind die Ansichten geteilt: Jeweils ein Fünftel gibt an, sie habe zu- oder abgenommen. Knapp die Hälfte sieht wenig Veränderung.

Jeder fünfte Beschäftigte fühlte sich im Berufsleben oder bei einer Bewerbung schon einmal diskriminiert oder benachteiligt. Frauen beklagen dies deutlich häufiger als Männer. Beamte und andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes nennen dies etwas seltener als Mitarbeiter der Privatwirtschaft. Männer sehen sich am häufigsten wegen ihres Alters benachteiligt, Frauen wegen ihres Geschlechts. Herkunft oder Religion spielen eine wesentlich geringere Rolle.

Pflichtbewusster und zuverlässiger

Die Fragen waren Teil der Umfrage über die Einschätzung des öffentlichen Dienstes, die der DBB seit 2007 jedes Jahr durchführen lässt. Danach gelten Beamte heute als pflichtbewusster und zuverlässiger als vor gut einem Jahrzehnt. Weniger Bürger schätzen sie als stur und arrogant ein. Auch ihr Ruf, unbestechlich zu sein, hat sich gestärkt, auch wenn dies nur jeder zweite Befrage bejaht.

Besonders erfreut Silberbach, dass vier von fünf Bürgern einen starken Staat befürworten. 2007 waren es nur zwei von drei. Auch haben die Klagen deutlich abgenommen, der öffentliche Dienst koste die Steuerzahler zu viel Geld. Gleichzeitig beklagen aber 61 Prozent zu viel Bürokratie.

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