Remlingen Atommüll bleibt in der Asse - Bergung nicht vor 2033

Remlingen / DPA/EPD 05.03.2014
Umweltministerin Barbara Hendricks erwartet, dass die Bergung des Atommülls aus der Asse erst in rund 20 Jahren beginnen kann. Fraglich ist, ob das marode Bergwerk so lange stabilisiert werden kann.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat Erwartungen an eine rasche Rückholung des Atommülls aus der maroden  Asse<span style="display: none;"> </span> bei Wolfenbüttel gedämpft. "Mit der Umsetzung der Rückholung kann aus heutiger Sicht erst 2033 begonnen werden", sagte sie bei einer Besichtigung des früheren Salzbergwerks. Das sei eine Herausforderung noch für die nächste Generation. Damit bezog sich Hendricks auf Zeitschätzungen des für das Bergungsprojekt zuständigen Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).

Fraglich ist, ob die 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall überhaupt noch zu bergen sind. In die Asse dringen täglich rund 12.000 Liter Wasser ein. Deshalb und wegen Bewegungen im Untergrund ist unklar, wie lange das Bergwerk noch stabilisiert werden kann. "Jede Zeitprognose ist derzeit auf ganz dünnem Sand gebaut", betonte der Präsident des BfS, Wolfram König. Wie lange die eigentliche Rückholung dauern könnte, sei bisher völlig unklar.

Seit 2012 laufen Probebohrungen, um zu erkunden, wie es hinter den 13 Atommüll-Kammern aussieht, die mit einer teils mehr als 20 Meter dicken Betonschicht verschlossen sind. Da nach Atomrecht gearbeitet wird, sind stets strenge Strahlenschutzanforderungen zu erfüllen. Das BfS vermutet, dass viele Fässer, in denen sich der Abfall befand, durch den Bergdruck zerborsten sind. Sollte sich der radioaktive Müll im Salz verteilt haben, steigt die zu bergende Menge. Zudem soll bis 2028 ein neuer Schacht zur Bergung gebaut werden. Außerdem wird ein riesiges oberirdisches Zwischenlager benötigt.

Einem von Bürgerinitiativen und Anwohnern geforderten höheren Tempo bei der Bergung stünden auch technische Gründe entgegen, sagte Hendricks. So könnten unter Tage nie mehr als 100 Personen gleichzeitig arbeiten.

Aussagen über die Dauer machte Hendricks nicht. Für die Arbeiten stelle die Bundesregierung jährlich 120 Millionen Euro zur Verfügung. Die Kosten für den neuen Schacht und das Zwischenlager seien noch nicht eingerechnet, sagte sie.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl erklärte, die Sanierung der Asse werde die öffentliche Hand mindestens vier Milliarden Euro kosten. Es dürfe sich nicht wiederholen, dass die Steuerzahler für die Kosten der Hinterlassenschaften der Atomindustrie aufkommen müssten. Die milliardenschweren Rückstellungen der AKW-Betreiber sollten in einen öffentlich-rechtlichen Fonds überführt werden, verlangte Kotting-Uhl. Wenn sich Hendricks ernsthaft des Atommüllproblems annehmen wolle, müsse sie für einen solchen Rückstellungsfonds sorgen.

Wohin mit dem Abfall?
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