Friedensnobelpreis Atommächte bleiben Verleihung des Friedensnobelpreises fern

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Berlin / Stefan Kegel 11.12.2017
Auf der Verleihung des Friedensobelpreises liegt ein Schatten. Atommächte blieben der Zeremonie fern. Sie haben ganz eigene Pläne, mutmaßt Stefan Kegel.

Keiner konnte erwarten, dass die Atommächte sich darüber freuen würden, wenn die Vereinten Nationen eine Ächtung ihrer wichtigsten Waffe beschließen würden. So gab es von ihren Regierungen auch keinen Beifall für die Anti-Atomwaffen-Organisation Ican, als sie im Oktober den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam – sie hatte den Vertrag maßgeblich vorangetrieben. Konsequenterweise haben die USA, Großbritannien und Frankreich am Sonntag auch, anders als üblich, keine Botschafter zur Verleihungszeremonie nach Oslo geschickt.

 Das könnte man kleinkariert nennen. Aber es ist mehr als das: Es ist das Eingeständnis, dass sich zumindest diese drei Staaten vom  – wenn auch fernen – Ziel einer atomwaffenfreien Welt verabschiedet haben. Vergessen scheint das ruinöse Wettrüsten und die Angst vor der atomaren Vernichtung, die in den 1980er-Jahren die gesellschaftliche Debatte bestimmten. Mit der Entstehung neuer Atomstaaten wie Nordkorea erlebt die Doktrin der atomaren Abschreckung eine neue Blüte und die Erneuerung des A-Waffen-Arsenals durch die USA und Russland eine Begründung.

 Durch die Welt geht ein Riss: zwischen den Nationen, die Nuklearwaffen besitzen, und denen, die keine haben. Nichts macht das klarer als der UN-Vertrag zum Atomwaffenverbot, für den mehr als 120 Staaten gestimmt haben. Die führenden Mächte, die sich im Atomwaffensperrvertrag selbst zur Abrüstung verpflichtet haben, hielten sich – wie Deutschland – von den Verhandlungen fern. Indem sie nun Ican den Respekt versagen, dokumentieren sie, dass sie an ihre eigenen Ziele nicht mehr glauben. Das Fatale ist: Sie ermutigen damit alle, es ihnen nachzutun.