Die überfällige Finanzplanung der griechischen Regierung für die kommenden Jahre lässt weiter auf sich warten. Nachdem es den Vorsitzenden der drei Koalitionsparteien am Montagabend erneut nicht gelungen war, sich auf ein Sparpaket zu einigen, kündigte ein Regierungssprecher jetzt an, die Sparbeschlüsse würden "im August" bekannt gegeben. Aber die Zeit beginnt den Griechen davonzulaufen. Finanzminister Giannis Stournaras warnte, Griechenlands Verbleib in der Währungsunion stehe auf dem Spiel. Sein Vize Christos Staikouras schlugAlarm: Die Barreserven seien "fast bei null", man befinde sich "am Abgrund".

Um rund 11,5 Milliarden Euro soll Griechenland den Haushalt in den Jahren 2013 und 2014 entlasten. So sieht es das zweite Rettungspaket vor, das EU und Internationaler Währungsfonds im Februar für Athen schnürten. Eigentlich sollte das Sparprogramm bereits im Juni vorliegen. Dieser Termin war wegen der Doppelwahlen vom Frühsommer nicht zu halten. Seit sechs Wochen hat das Land zwar wieder eine Regierung. Aber die tut sich schwer.

Der konservative Ministerpräsident Antonis Samaras hat zwar erkannt, dass Griechenland jetzt schnellstens die Sparbeschlüsse vorlegen muss, um das schwer erschütterte Vertrauen der Gläubiger zurückzugewinnen und dem Land die Auszahlung dringend benötigter Hilfskredite zu sichern. Aber die Führer der beiden Linksparteien, die Samaras im Parlament stützen, sträuben sich. Denn die geplanten Sparmaßnahmen, zu denen neue Rentenkürzungen, weitere Abstriche bei den Gehältern im Staatsdienst und Einschnitte im Gesundheitswesen gehören, sind unpopulär. "Die Gesellschaft kann keine weiteren Lasten ertragen", sagt Samaras Koalitionspartner Fotis Kouvelis, Chef der Splitterpartei Demokratische Linke. Er befürchtet schwere soziale Unruhen, wenn die Regierung die Daumenschrauben des Sparprogramms weiter anzieht. Auch Evangelos Venizelos, der Vorsitzende der sozialistischen Pasok, möchte jetzt allenfalls Sparmaßnahmen über sechs Milliarden Euro für 2013 zustimmen. Venizelos plädiert dafür, mit der EU Verhandlungen über eine Streckung des Konsolidierungsprogramms und einen neuen Schuldenschnitt aufzunehmen.

Samaras und sein parteiloser Finanzminister Stournaras wissen aber, dass an Neuverhandlungen angesichts des eisigen Klimas, das Griechenland in der EU entgegenschlägt, nicht zu denken ist. In der Koalition werden erste Risse sichtbar, auch wenn die Koalitionspartner bemüht sind, Einigkeit zu demonstrieren: Stournaras sagte, man bemühe sich, bei den Sparmaßnahmen "den idealen Mix" zu finden. Aber bei einem Treffen mit Politikern der beiden Linksparteien soll Stournaras sehr viel deutlicher geworden sein: "Entweder wir verabschieden jetzt die notwendigen Maßnahmen, oder wir kehren innerhalb der nächsten zwei Monate zur Drachme zurück", habe er gewarnt.