Die Zahlen steigen: Mehr als 3800 Serben und Mazedonier haben allein im September in Deutschland um Asyl angesucht - so viele wie in der ganzen ersten Jahreshälfte. Die Serben unter ihnen seien vorwiegend arme Roma, sagt Jovana Vukovic vom Minderheitenzentrum in Belgrad. Es habe sich herumgesprochen, dass das Bundesverfassungsgericht die Kürzung der Sozialhilfe für Asylbewerber aufgehoben habe.

Die Reise lohnt sich. Alexandra Stiglmayer von der Europäischen Stabilitätsinitiative macht eine Rechnung auf: "Vor dem Urteil bekam eine Familie in einer Sammelunterkunft ein Taschengeld von 40 Euro pro Erwachsenen und 20 Euro pro Kind" - für eine Familie mit zwei Kindern sind das 120 Euro. "Nach dem Urteil sind es 420." Familien, die in Wohnungen untergebracht werden, bekommen neben der Miete für die Haushaltsführung um die 1100 Euro ausgezahlt. Das entspricht dem Einkommen einer serbischen Mittelstandsfamilie. Auch schwer kranke Menschen kommen, weil sie als Asylbewerber krankenversichert sind.

Zielländer neben Deutschland sind Belgien, Schweden und Luxemburg. Die Herkunftsländer sind der Reihenfolge nach Serbien, Albanien, Montenegro, Kosovo und Bosnien.

Um Missbrauch einzudämmen schlägt die EU-Kommission "schärfere Ausreisekontrollen" vor. Das widerspricht "europäischen Grundsätzen". Auch "Aufklärungskampagnen" gehen ins Leere. Die Betroffenen wissen, dass sie keine Chance auf Asyl haben. Bis ein Antrag abgelehnt ist, vergeht jedoch genug Zeit, um einen Winter durchzustehen, einige hundert Euro zu sparen oder eine Krankheit auszukurieren. map