Artur Mas vergleicht sich gerne mit großen historischen Figuren, mit Mahatma Gandhi zum Beispiel oder mit Martin Luther King. Am liebsten aber wäre der 59-Jährige der Mose Kataloniens: Er will sein Land in die Unabhängigkeit führen, er an der Spitze und alle Katalanen geeint hinter ihm. Daraus wird wohl nichts. Am Dienstagnachmittag hat der amtierende katalanische Ministerpräsident angekündigt, dass er am Montag ein Dekret für Neuwahlen unterzeichnen werde, aller Voraussicht nach mit dem Termin 6. März. Mas hat die Katalanen nicht geeint, sondern in etliche unversöhnliche Fraktionen gespalten.

Katalonien hat zum letzten Mal vor gut drei Monaten, am 27. September, gewählt. Sieger war das Bündnis Junts pel Sí (Gemeinsam für das Ja), ein Zusammenschluss linker und bürgerlicher Gruppen, die sich vorgenommen hatten, Katalonien vom Rest Spaniens loszulösen. Für die Mehrheit im Regionalparlament fehlten dem Bündnis unter Artur Mas aber noch ein paar Sitze, weswegen es auf die Unterstützung einer kleinen, linksradikalen Gruppe mit dem Namen Kandidatur der Volkseinheit (CUP) angewiesen war. Die CUP will nicht nur mit Spanien, sondern auch mit der Nato, der Europäischen Union und dem Kapitalismus brechen. Ungewöhnliche Bettgenossen für den Bürgerlichen Mas, doch der war bereit, sonstige ideologische Bedenken beiseite zu stellen, wenn er nur eine Mehrheit für die Unabhängigkeit zusammenbekommen würde.

Die CUP hat lange mit sich gerungen, ob sie Mas wieder zum katalanischen Ministerpräsidenten machen sollte. Der ist schließlich ein Wirtschaftsliberaler und außerdem Kopf einer Partei, die in etliche Korruptionsaffären verstrickt ist. Nach langen, zermürbenden Debatten beschloss die CUP Anfang der Woche endlich, dass sie Mas nicht ins Amt heben werde. Woraufhin Mas Neuwahlen ankündigte. Er habe sein Vertrauen viel zu lange in die CUP gesetzt, aber die sei wohl eine Partei "linker Hyperrevolutionäre". Das hätte er auch schon vorher wissen können. Aber weil Mas mit seinen Abspaltungsplänen von Spanien selbst eine Revolution anstrebt, hat ihn das bisher nicht gekümmert.

Es wird spannend sein zu sehen, wie die Katalanen auf den Machtpoker innerhalb des separatistischen Lagers reagieren werden. Vielleicht haben sie die Nase voll von den Separatisten, vielleicht sagen sie: Jetzt erst recht. Schwer vorstellbar ist im Moment allerdings, dass Artur Mas noch einmal die Chance erhält, die Führungsfigur der Unabhängigkeitsbewegung zu sein. Spaniens amtierender Ministerpräsident Mariano Rajoy forderte ihn schon mal auf, sich nun endlich von allen Abspaltungsideen zu verabschieden - was Mas nicht tun wird. Vom Durcheinander in Katalonien könnte am Ende Rajoy profitieren: Falls es auch in Spanien in ein paar Monaten Neuwahlen geben sollte, ist es gut möglich, dass ihm die Spanier seine harte Haltung gegen die Separatisten lohnen werden.