Porträt Porträt über Armin Laschet: Der beharrliche Kämpfer

Armin Laschet am Montag vor der Presse in Berlin.
Armin Laschet am Montag vor der Presse in Berlin. © Foto: Michael Kappeler/dpa
dpa 16.05.2017
Armin Laschet ist am Ziel – die NRW-Staatskanzlei steht ihm offen. Lange galt der CDU-Mann als chancenlos gegen Landesmutter Hannelore Kraft.

Schon bald könnte Armin Laschet eine prachtvolle Aussicht genießen. Staatskanzlei am Rhein, Blick über Düsseldorf und den Niederrhein, an guten Tagen auch bis zum Ruhrgebiet und im Süden nach Köln. Denn die abgewählte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird für den CDU-Gewinner der Landtagswahl die Etage räumen. Offen ist, mit wem der neue Hausherr im „Stadttor“ genannten Bau nahe des Landtags residieren wird. Dass Laschet überhaupt einmal dort Gäste empfängt, davon war bis wenige Wochen vor der Wahl kaum auszugehen.

Dem 56-Jährigen werden Geduld und Beharrlichkeit nachgesagt. Eigenschaften, die bis zuletzt nötig waren für den kleinen, etwas stilleren Christdemokraten. Niederlagen und Kritik musste Laschet wegstecken. Als Herausforderer ernst genommen wurde er anfangs auch nicht: Im SPD-Land NRW war sich Regierungschefin Kraft ihrer Sache lange sehr sicher.

Aber der Fußballfan, zwischen 2005 und 2010 auch NRW-Integrationsminister, blieb unbeirrt am Ball: Vor fünf Jahren griff er zu, als Norbert Röttgen die Landtagswahl für die CDU mit nur 26 Prozent vor die Wand fuhr. Hinter vorgehaltener Hand hieß es damals, man habe keinen anderen Freiwilligen gefunden. Gradmesser wachsender Zufriedenheit: 2014 gab es bei Laschets Wiederwahl zum CDU-Landesvorsitzenden 87 Prozent, 2016 dann 93 Prozent.

Auch im Wahlkampf lag Laschet gewaltig hinten, innerparteilich hielt sich Skepsis. Denn auf der Oppositionsbank blieb Laschet zwischen der energischen Landesmutter Kraft und FDP-Rhetorik-Talent Christian Lindner oft blass. Zu wenig Attacke, haben auch Parteifreunde gemault – unscharf in der Profilierung. „Er hat sich nicht beirren lassen, hat geduldig sein Ziel verfolgt – ein Kämpfer“, sagt einer, der ihn gut kennt – sein ältester Sohn Johannes (28). Schlagfertiger ist Laschet zuletzt geworden, angriffslustiger auch, er trat zunehmend lockerer auf.

„Die Aufsteigerrepublik“ heißt ein Buch Laschets über Zuwanderung und Bildung, online ist es gebraucht für weniger als einen Euro zu haben. Laschet ist der Autor, er ist aber eigentlich auch ein Protagonist: Denn sein Vater Heinz kommt im Buch vor – Bergmann und auf zweitem Bildungsweg Lehrer und Schulleiter. So konnte Armin Laschet Jura studieren, als Journalist arbeiten, als Bundestags- und Europa-Abgeordneter die politische Bühne erobern und – schließlich zum wahrscheinlichen neuen NRW-Ministerpräsident aufsteigen.